Ausgabe Nr. 5 September/ Oktober 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
vor genau 15 Jahren erschien das erste Heft von Gute Pillen – Schlechte Pillen. Sie halten mithin die 91ste Ausgabe in Händen. Ein klein wenig stolz sind wir schon, dass wir unter nicht immer einfachen Bedingungen und mit erheblichem auch ehrenamtlichen Engagement diese komplette werbefreie Zeitschrift auf die Beine gestellt haben. Und wir danken den vielen Abonnentinnen und Abonnenten, die uns über lange Zeit treu bleiben.
Aus aktuellem Anlass: UPD – kein guter Rat?
Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) soll Patienten guten, neutralen Rat in Gesundheitsfragen bieten. Das klappt nicht so gut.
Immer gleich ein Stent?
Wenn die Herzkranzgefäße verengt sind, steigt die Gefahr für einen Herzinfarkt. Bei eher moderaten Beschwerden schützen frühzeitige Eingriffe mit Stent oder Bypass aber wohl nicht besser als eine gute Behandlung mit Medikamenten. Das legt eine aktuelle große Studie nahe.
Don’t panic – oder blinder Alarm!
Es kann gute Gründe geben, in Panik zu geraten. Bei einer ausweglos erscheinenden Gefahr zum Beispiel – zum Glück passiert so etwas selten. Was aber, wenn man ohne nachvollzieh­baren Grund eine solche Attacke bekommt?
Ist es Hautkrebs?
Das Muttermal oder der Leberfleck sieht auf einmal anders aus – ist das vielleicht Hautkrebs? In dieser Situation versprechen Smartphone-Apps eine schnelle und unkomplizierte Vorab-Beurteilung, ob eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Es ist aber nicht belegt, dass die Apps gefährliche von harmlosen Hautveränderungen zuverlässig unterscheiden können.
Tabletten bei Typ-1-Diabetes?
Seit letztem Jahr gibt es für übergewichtige Menschen mit Typ-1-Diabetes neben Insulin eine ergänzende Behandlungsoption mit Tabletten. Ihr Wirkstoff heißt Dapagliflozin. Dieser zeigt hier jedoch nur einen sehr begrenzten Nutzen und birgt einige Gefahren.
Aufgefrischt: Mehr Daten zum Gürtelrose-Impfstoff
Eine Impfung gegen Gürtelrose (Varizella-Zoster) wird in Deutschland für alle ab 60 Jahren empfohlen, bei beeinträchtigtem Immunsystem schon ab 50.
Aufgefrischt: Risiken der Hormontherapie
Wenn Frauen in den Wechseljahren ein Hormonpräparat zur Linderung der Beschwerden einnehmen, kann das Risiko für Brustkrebs bereits nach wenigen Einnahmejahren ansteigen.
Aufgefrischt: Brustkrebs: Biomarker-Test
Bei bestimmten Brustkrebsformen sollen Biomarker-Tests Aufschluss darüber geben, ob Frauen eventuell auf eine Chemotherapie verzichten können. Für einen bestimmten Test (Oncotype DX) gibt es inzwischen ausreichend aussagekräftige Daten zum Nutzen.
Kurz und knapp: Was fehlt?
Seit Monaten sind wir als Laien und auch Ärzte und Apotheker mit dem Thema Corona beschäftigt. Und in der Forschung sind Fachleute bemüht, herauszufinden, wie sich das Virus verbreitet, wie es sich verändert, wen es nur leicht und wen es lebensbedrohlich krank macht. Vor allem: Was hilft?
Kurz und knapp: Divertikulitis
Divertikel sind kleine Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut, die oft unbemerkt bleiben, sich aber auch entzünden und dann sehr schmerzhaft und sogar gefährlich sein können. Vielfach wird eine solche Divertikulitis mit einem Antibiotikum behandelt.
Kurz und knapp: Alles zu laut
Überempfindlich auf Geräusche zu reagieren, ist ein sehr unangenehmes Leid und wird zu Recht als „qualvoll“ bezeichnet. Manchmal ist es die Folge eines Hörsturzes oder eine Begleiterscheinung von Tinnitus. Gelegentlich steckt allerdings ein Arzneimittel dahinter.
Blutdrucksenker besser am Abend nehmen?
Ist es tatsächlich von Vorteil, Blutdrucksenker abends statt morgens einzunehmen? Das hatte im letzten Jahr eine große Studie nahegelegt, die jedoch Fachleute sehr kritisch gesehen haben. Jetzt gibt es neue Entwicklungen, die eine solche Empfehlung noch mehr infrage stellen.1
Glosse: Unfassbar transparent
2019 haben Pharmaunternehmen 629 Millionen Euro an Ärztinnen und Ärzte in Deutschland verteilt. An Patientenorganisationen flossen weitere 7,1 Mio. Euro. Das lässt uns der Interessenverband Vfa unter der Überschrift „Transparentes Gesundheitswesen nimmt Gestalt an“ wissen.
Was ich will
Krankheit und Sterben sind Themen, die gefühlt oft weit weg sind. Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie kann eine intensive medizinische Behandlung aber manchmal ganz schnell nötig werden. Gut, wenn man sich schon vorher überlegt hat, was man möchte und was nicht.1
Pflege zu Hause
Laut Statistiken werden derzeit deutschlandweit rund 2,6 Millionen Männer und Frauen zu Hause gepflegt. Tendenz steigend. Oft übernehmen auch ihre Angehörigen die Pflege. Doch wie findet man sich in eine solche Rolle hinein?
Was geht wann?
Wenn der Babybauch die Rückenmuskeln strapaziert oder Stress bei der Elternzeitplanung zu Kopfschmerzen führt, fragen sich viele Frauen, ob sie überhaupt Schmerzmittel einnehmen dürfen. Zum Glück ist die Antwort: Ja. Aber nicht jedes Mittel ist in jeder Phase der Schwangerschaft geeignet. Wir geben einen Überblick.
Leserbrief: Placebo-Effekt
In der Medizin ist es wichtig zu wissen, wie eine Krankheit auch ohne Therapie verläuft. Bei vielen lästigen, aber nicht gefährlichen Erkrankungen ist das auch ohne medizinische Ausbildung erfahrbar. So weiß etwa der Volksmund: „Mit Behandlung dauert eine Erkältung sieben Tage und ohne Behandlung eine Woche.“
Verhütung mit Tücken
Längerfristige Verhütungsmethoden sind vermeintlich bequem in der Anwendung. Doch Nutzerinnen müssen dabei aufmerksam sein. Das zeigen die Beispiele des Verhütungsstäbchens und bestimmter Kupferspiralen.
Marketing statt Wissenschaft
Sogenannte Anwendungsbeobachtungen für Arzneimittel sind leider keine gut kontrollierten klinischen Studien, die von einer Ethikkommission genehmigt werden müssen, sondern de facto ein kaum kontrollierbares Marketinginstrument. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt jetzt vor einer Teilnahme.
Gepanschtes: Afrika: Gefälschte Arzneimittel gegen Covid-19
Gepanscht werden nicht nur Nahrungsergänzungsmittel, sondern auch echte Medikamente. Bis vor Kurzem wurde das Malariamittel Chloroquin noch als Mittel gegen Covid-19 gehypt. Fälscher nutzten das in Afrika für windige Geschäfte.
Werbung – Aufgepasst! Auf Kriegsfuß mit der Evidenz
„Sie stehen mit Ihrem Magen-Darm-Trakt auf Kriegsfuß? Yamato®Gast kann helfen und den Magenfrieden wiederherstellen.“ So wirbt Pohl-Boskamp für das „traditionelle Arzneimittel“, das gegen Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Völlegefühl und Blähungen helfen soll. In der Werbung wird betont, dass Yamato®Gast „ohne Schöllkraut“ auskommt. Das ist ein Seitenhieb auf das Konkurrenzprodukt, Iberogast®, das wegen lebensbedrohlicher Leberschäden in Verruf geraten ist.