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Fischöl, Stents und Acetylsalicylsäure: Wie gut fürs Herz?

Wirksamkeitsbelege sind teilweise dünn

Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen viele Menschen. Die Risikofaktoren werden mit zunehmendem Alter wichtiger. Da der Lebensstil eine entscheidende Rolle spielt, wirken sich bereits Entscheidungen aus jungen Jahren auf die Gefäßgesundheit aus. Wie man sich ernährt, ob man raucht oder trinkt, welchen Stellenwert Bewegung hat, wie groß der Stress ist und welche Bewältigungsstrategien man dafür findet – all das hat einen Einfluss auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Wenig verwunderlich, dass Mittel zur Vorbeugung von Gefäßverengungen großes Interesse finden. Dazu gehören auch Omega-3 Fettsäuren. Das verwundert allerdings schon, denn die wissenschaftlichen Belege für die vorbeugende Wirkung von Gefäßschäden sind sehr dünn.

Omega-3-Fettsäuren: Hoffnung oder falsche Fährte?

Ob Fischöl das Herz schützt, ist umstritten. Gut gemachte Studien zeigen bei Patient:innen mit hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen keine Reduktion schwerwiegender kardio­vaskulärer Ereignisse. Umso überraschender sind die Ergebnisse einer neuen Studie bei Dialyse. Dialysepatient:innen haben ein sehr hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anders als in bisherigen Untersuchungen zu dieser Gruppe sanken in der aktuellen Studie mit Fischöl (Omega-3-Fettsäuren) die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle verglichen mit Placebo (Maiskeimöl) deutlich, auch der Herztod nahm ab. Doch wie aussagekräftig sind diese Ergebnisse: Fischöl bei Dialyse: Gut fürs Herz?

Fischöl birgt Risiken

Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Risikofaktoren dafür können Omega-3-Fettsäuren zu Vorhofflimmern führen, einer bestimmten Art von Herzrhythmusstörungen. In Studien stieg das Risiko für Vorhofflimmern mit der Dosis und war am höchsten bei einer Dosis von 4 Gramm pro Tag. Produktinformationen entsprechender Arzneimittel müssen auf diese Risiken hinweisen.

Nutzen von Acetylsalicylsäure

Herzinfarkte und Schlaganfälle können durch Blutgerinnsel entstehen. Diesem Risiko lässt sich mit Medikamenten vorbeugen. Acetylsalicylsäure (ASS) hemmt die Fähigkeit der Blutplättchen, an andere Plättchen anzudocken und zu verklumpen. Alle Patient:innen nach Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Stents in den Arterien erhalten ASS in niedriger Dosis oder andere Hemmstoffe der Blutplättchen als Dauertherapie, um eine Wiederholung zu verhindern. Aber ist ASS auch bei Gesunden sinnvoll?

Was bringt ein Stent bei stabiler koronarer Herzkrankheit?

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Herzkranzgefäße verengt, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen. Ursache ist häufig eine Arteriosklerose, bei der sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden. Dadurch wird die Durchblutung eingeschränkt, und es können sich wegen der unzureichenden Sauerstoffversorgung – je nach Krankheitsstadium – bei Belastung oder sogar in Ruhe Schmerzen und ein Engegefühl in der Brust (Angina-pectoris-Anfall) einstellen. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man auch als chronische stabile KHK. Bei eher moderaten Beschwerden schützen frühzeitige Eingriffe mit Stent oder Bypass aber wohl nicht besser als eine gute Behandlung mit Medikamenten. Das legt eine große Studie nahe.

Die Geschichte eines Herzmedikaments wirft Fragen auf

Ärzt:innen und Patient:innen sollten sich darauf verlassen können, dass medizinische Leitlinien unabhängig erstellt werden. Ausgerechnet bei einigen der einflussreichsten medizinischen Empfehlungen zeigen Recherchen, wie eng manche Fachgesellschaften und Industrie verflochten sind. Ein besonders eklatantes Beispiel hierfür deckten dänische Journalist:innen auf. In den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Behandlung der stabilen koronaren Herzkrankheit aus dem Jahr 2006 wurde das Medikament Ivabradin zur Kontrolle von Angina-pectoris-Symptomen empfohlen. Der Arzneimittelbrief konnte seinerzeit weder das Wirkprinzip noch die positive Bewertung dieses Medikamentes durch die Gesellschaft nachvollziehen. Was sagt Fall zu den fragwürdigen Empfehlungen zum Herzmedikament Ivabradin über die Arbeit der Fachgesellschaft aus?

 

Fischöl bei Dialyse: Gut fürs Herz?

Fragwürdige Empfehlungen zum Herzmedikament Ivabradin