Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Mehr Daten, bessere Medizin?
Wie Daten in der Medizin und in der klinischen Forschung genutzt werden
Inhalt
Daten spielen in der Medizin schon lange eine entscheidende Rolle. Ohne gute Daten wäre zum Beispiel die klinische Forschung nicht denkbar. Daten werden in der Medizin immer wichtiger.
Sie bilden die Grundlage für Künstliche Intelligenz (KI), die immer mehr Einzug in Diagnostik und Behandlung hält. Wichtig ist jedoch, dass die KI-Systeme, die dabei zum Einsatz kommen, sorgfältig überprüft werden – und zwar in aussagekräftigen Studien.
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet auf vielen Ebenen voran. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Was passiert in Deutschland mit den Informationen aus den Krankenkaten?
Künstliche Intelligenz zeigt hohe Genauigkeit bei der Mammografie
Seit Einführung der Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs mittels Mammografie ist eine Doppelbefundung durch zwei Radiolog:innen in Deutschland verpflichtend. Dies trägt zur Genauigkeit der Befunde bei und ist somit ein Mittel der Qualitätssicherung. Da diese Doppelbefundung nicht nur zur Erhöhung der Trefferquote (richtig unauffällige oder richtig auffällige Befunde) beiträgt, sondern auch erhebliche Personalressourcen bindet und damit Kosten verursacht, könnte der Einsatz von KI möglicherweise helfen. Diese Annahme wurde in Studien überprüft. Dafür wurden zwei Gruppen gebildet: In der Kontrollgruppe wurden die Mammografien wie bisher unabhängig von zwei Radiolog:innen beurteilt. In der KI-Gruppe analysierte zunächst ein KI-System die Aufnahmen und bewertete das Krebsrisiko mit einem Score. Auf Grundlage dieses Risikos entschied sich, wie viele Radiolog:innen die Mammografie prüfen sollten. Die Ergebnisse sprechen dafür, zertifizierte KI-Systeme in der Mammografie einzusetzen.
KI-gestützte Diagnosen der Drogeriekette dm ernten viel Kritik
Künstliche Intelligenz ist nur so gut, wie die Daten, mit deren Hilfe sie trainiert wurde. Am Beispiel der Drogeriemarktkette dm zeigt sich, was bei kommerziellen KI-gestützten Gesundheitsdienstleistungen schief gehen kann. In einigen Filialen gibt es seit Kurzem Blutanalysen, Augenscreenings und Hautanalysen, für die zum Teil Künstliche Intelligenz genutzt wird. Dafür arbeitet der Markt mit Partnerfirmen zusammen. Verbraucherzentralen und Ärzteverbände kritisieren das Angebot und warnen vor falschen Erwartungen.
Was mit den Informationen aus den Krankenakten passiert
Mit dem Register des Forschungsdatenzentrums Gesundheit wird sichtbar, wer deutsche Krankheitsdaten nutzt. Dahinter verbirgt sich ein veritabler gesundheitspolitischer Umbau: Gesundheitsdaten werden systematisch als auswertbare Dateninfrastruktur organisiert. Die Datengrundlage ist beträchtlich. Sie umfasst die den Krankenkassen vorliegenden Informationen von rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten – Diagnosen, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittelverordnungen, Therapien. Die Sorge wächst, dass die elektronische Patientenakte zur Schaltzentrale einer immer größeren Dateninfrastruktur wird.
Was mit Gesundheitsdaten passiert
Alle Daten, die Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand eines Menschen zulassen, sind Gesundheitsdaten. Die Krankenkasse erhält einen Teil Ihrer Gesundheitsdaten für Abrechnungszwecke. Wenn Patient:innen an Studien teilnehmen, fließen die Daten in die Forschung ein. Schließlich gibt es gesetzlich verankerte Meldepflichten für 21 medizinische Register. Dazu gehören klinische und epidemiologische Krebsregister, das Transplantationsregister oder das Implantateregister. Diese unterschiedlichen Daten werden schon länger zu Forschungszwecken genutzt. Unser Text zeigt, wie die Nutzung geregelt war, bevor der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) entstand und das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) in diesem Jahr auf den Weg gebracht wurde.
Wie neue Gesetze die Nutzung von Gesundheitsdaten erleichtern sollen
Damit die Forschung mit Gesundheitsdaten umfassender, einfacher und schneller wird, soll es in Deutschland und auf EU-Ebene mehrere Gesetzesänderungen geben. 2023 beschrieben wir in diesem Artikel die Pläne, was zum Datenschutz diskutiert wurde, was ein digitaler medizinischer Zwilling kann – und was nicht – und wer von den Gesundheitsdaten profitiert. Sie können mit diesem Text nachvollziehen, wie die aktuellen Gesetzesänderungen zustande kamen und was auf dem Weg dahin diskutiert wurde.
Stand: 6. Juli 2026