Opiodhaltige Schmerzmittel und ihre Risiken
Warnhinweise sind Pflicht
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Arzneimittel, die gegen Schmerzen wirken, gehören zu den am häufigsten verkauften und verschriebenen Medikamenten. Wichtig ist, immer auf die Hinweise in der Packungsbeilage zu achten und die Medikamente so einzunehmen, wie empfohlen. Denn Arzneimittel bergen auch Risiken.
Wirksamkeit und Risiken von Schmerzmitteln hängen von vielen Faktoren ab. So spielt es eine Rolle, wie stark die Schmerzen sind, welche Ursache sie haben, wo sie auftreten und ob sie chronisch sind. Aber auch die Wirkstoffklasse beeinflusst, welche Nebenwirkungen zu erwarten sind.
Opiodhaltige Schmerzmittel sind wichtige Medikamente bei sehr starken chronischen und akuten Schmerzen. Sie werden häufig nach einer Operation, bei starken Gelenkschmerzen oder bei Krebs eingesetzt. Der langfristige Einsatz ist wegen des starken Abhängigkeitspotenzials und vieler Nebenwirkungen jedoch problematisch und teilweise auch umstritten.
Neue Warnhinweise für codeinhaltige Mittel
Die Gebrauchsinformationen von Schmerz- und Hustenmitteln, die das Opioid Codein enthalten, müssen nun einen neuen Warnhinweis enthalten. Die deutsche Arzneimittelbehörde BfArM verfügte, dass Patient:innen auf die Gefahr der Abhängigkeit und einer tödlichen Überdosierung hingewiesen werden müssen. Beipackzettel und Fachinformationen sollen ausführlich beschreiben, welche Anzeichen auf eine Sucht hindeuten. Außerdem soll vor weiteren Risiken bei Opioiden gewarnt werden. Dazu gehören Atemstörungen wie Schlafapnoe und Sauerstoffmangel im Schlaf, Atemaussetzer und Kurzatmigkeit. Da sie den Schlaf stark stören können, kann es zu übermäßiger Schläfrigkeit am Tag kommen.
Zur Abhängigkeit von opiodhaltigen Schmerzmitteln
In den USA führte der übermäßige Gebrauch von opiodhaltigen Mitteln zu einer Opiod-Krise. Die deutsche Arzneimittelbehörde BfArM wollte wissen, wie die Lage in Deutschland einzuschätzen ist und untersuchte, wie sich hierzulande in den fünf Jahren zwischen 2020 und 2025 die Verordnungszahlen von opiodhaltigen Schmerzmitteln entwickelten. Demnach kann Entwarnung gegeben werden: Eine Opiod-Krise wie in den USA drohe laut BfArM in Deutschland nicht. Trotzdem gibt ein Mittel Anlass zur Sorge: Das opioidhaltige Tapentadol, das bei chronischen Schmerzen eingesetzt wird. Denn der Hersteller verfolgt eine verharmlosende Marketingstrategie.
Tramadol: Opiod kaum besser als Placebo
Eine systematische Übersichtsarbeit, die Ende 2025 erschien, untersuchte, wie wirksam und sicher das Opioid Tramadol in der Behandlung chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen ist. Dabei wurden Ergebnisse aus 19 randomisierten kontrollierten Studien eingeschlossen. An den Studien nahmen 6.506 Patient:innen mit chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen, Schmerzen nach einer Gürtelrose, bei diabetischer Polyneuropathie oder bei Fibromyalgie teil. Dabei erreichten mit Tramadol 48,6 Prozent und mit Placebo 41,1 Prozent der Patient:innen eine bedeutsame Schmerzlinderung. Diesem überschaubaren Nutzen steht ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Nebenwirkungen gegenüber.
Bei welchen starken Schmerzen sind Opiode sinnvoll?
Bei einer Operation oder Krebserkrankung helfen Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide sehr gut. Zunehmend verordnen Ärzte sie auch gegen viele andere chronische Schmerzen. Vor allem chronische Rückenschmerzen oder Verschleißerkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrose) und Osteoporose behandeln Ärzt:innen oft mit Opioiden. Nicht immer ist das gerechtfertigt. Grundsätzlich sollte versucht werden, die Schmerzen zunächst ohne Opioide zu behandeln. Unser Überblicksartikel erklärt, wann sie eine Option sind – und wann andere Schmerzmittel die bessere Wahl sind.
Stand: 27. Juli 2026