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Können Viren Alzheimer auslösen?

Eine neue Studie liefert keine Hinweise darauf

Seit Jahren diskutieren Forschende darüber, ob an der Entstehung der Alzheimer-­Demenz Viren beteiligt sein könnten. Besonders Herpesviren wie Herpes-simplex-Viren (HSV-1 und HSV-2) oder das Varicella-Zoster-Virus, der Erreger von Windpocken und Gürtelrose, stehen im Verdacht, krankhafte Veränderungen im Gehirn zu fördern.

In Tierstudien gab es Hinweise darauf, dass Viren tatsächlich schädliche Ablagerungen im Gehirn verursachen können. Und: In den für Alzheimer typischen Plaques fand sich DNA des Herpesvirus. Eine neue Studie hat untersucht, ob eine antivirale Behandlung Symptome der Alzheimer-Demenz lindern kann.

Valaciclovir hat keinen klinischen Mehrwert

Eine US-amerikanische Studie untersuchte, ob eine langfristige antivirale Behandlung den Verlauf einer frühen Alzheimer-Demenz bremsen kann. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Die Therapie mit Valaciclovir brachte keinen Nutzen – im Gegenteil: Die kognitiven Leistungen verschlechterten sich sogar stärker als unter Placebo. Diese Ergebnisse sprechen gegen die Annahme, dass Herpesviren eine entscheidende Rolle beim Fortschreiten der Alzheimer-Demenz spielen.

Lithium – Hoffnung gegen Demenz?

Lithium kommt natürlicherweise in sehr kleinen Mengen im menschlichen Körper vor. Es wird deshalb auch als Spurenelement bezeichnet. Ob und welche biologischen Funktionen es beim Menschen hat, ist unklar. In der Medizin findet Lithium vor allem in der Psychiatrie Anwendung. Seit den 1950er Jahren wird es zur Behandlung bipolarer Störungen oder bei schweren Depressionen eingesetzt. Im 19. Jahrhundert waren lithiumhaltige Heilquellen sehr populär. In den letzten Jahren erhält Lithium wieder mehr Aufmerksamkeit. Vor allem in naturheilkundlichen Foren und den sozialen Medien, aber auch in der Presse, wird der Einsatz von niedrig dosiertem Lithium gegen Demenz propagiert. Allerdings sind die Versprechen zu Lithium vollmundig angesichts der dünnen Datenlage.

Neu – aber auch besser? Lecanemab

Seit April 2025 ist Lecanemab für die Behandlung von Alzheimer-Demenz EU-weit zugelassen und seit September in Deutschland verfügbar. Das Medikament wird als Infusion alle zwei Wochen verabreicht. Es soll die Erkrankung bei Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder beginnender Alzheimer-Demenz verlangsamen. Eine Heilung verspricht Lecanemab nicht. Lecanemab ist ein monoklonaler Antikörper (Biologikum), der Eiweißablagerungen (Beta-Amyloid-Proteine) im Gehirn markiert. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, die Ablagerungen mit einer Entzündungsreaktion zu reduzieren. Diese Eiweiße sollen für den kognitiven Abbau mit verantwortlich sein. Doch Lecanemab hat schwere Nebenwirkungen, die mehr MRT-Kontrollen nötig machen.

Hype um Demenztests hilft Patient:innen nicht

Mit neuen Bluttests zur frühzeitigen Diagnose von Demenz sollen sich im Vergleich zur Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit oder zu teuren PET-Untersuchungen mehr Möglichkeiten zur frühzeitigen Diagnostik ergeben. Zwar zeigen die Bluttests Ablagerungen im Gehirn an, die Ergebnisse sind jedoch nicht immer klinisch aussagekräftig. Dazu kommt, dass Menschen positive Testergebnisse erhalten können, ohne jemals an Demenz zu erkranken.

Alzheimer-Demenz schon bei Gesunden vorhersagen?

Das Prinzip klingt überzeugend: Je früher man Hinweise auf eine drohende Krankheit sucht, desto größer sind die Chancen für eine erfolgreiche Therapie. Glaubt man Berichten in den Medien, gilt das auch für die Alzheimer-Krankheit. Denn fehlgeleitete Körperprozesse beginnen möglicherweise ihr zerstörerisches Werk schon lange vor ersten Symptomen wie Vergesslichkeit oder Verwirrtheit. Was also liegt näher, als alle nur denkbaren Möglichkeiten zu nutzen, den fatalen Alzheimer-Prozess so früh wie möglich zu erkennen und dem Schicksal damit ein Schnippchen zu schlagen? Doch, Vorsicht: Die Alzheimer-Tests haben keinen Nutzen.

 

Antivirale Therapie zeigt keinen Nutzen bei Alzheimer-Demenz

Lithium – Hoffnung gegen Demenz?