4. Januar 2016

Hustenmittel für Kinder

Kodein verbannt, übliche Alternativen oft nutzlos

© Tomsickova –Fotolia.com
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Kodeinhaltige Hustenmedikamente dürfen neuerdings für Kinder bis zwölf Jahre nicht mehr als Hustenstiller verschrieben werden. Und auch für ältere Kinder und Jugendliche sollten sie tabu sein. Kodein gehört zur Morphin-Gruppe. Es dämpft zwar den Hustenreiz, kann aber zu lebensbedrohlichen unerwünschten Wirkungen führen. Doch wie gut helfen die üblichen kodeinfreien Hustenmittel & Co.? Gute PillenSchlechte Pillen gibt eine ernüchternde Antwort auf diese Frage.

Sind die Kleinen erkältet und quengelig, geraten Väter oder Mütter oft unter Stress. Kommt andauernder nächtlicher Husten dazu, bleibt erholsamer Schlaf auf der Strecke. Was tun?

Übliche Hustenmittel: Sie sollen den Husten stillen oder das Abhusten von Schleim erleichtern. Dazu zählen chemische und pflanzliche Mittel mit Wirkstoffen wie zum Beispiel Ambroxol, Acetylcystein, Pentoxyverin bzw. Eibischwurzel, Isländisch Moos oder Spitzwegerich. Laut Recherchen der Fachzeitschrift arznei-telegramm® fehlt es aber an hinreichend guten Studien. Die Wirksamkeit dieser Mittel ist unzureichend belegt.

Einreibemittel: Sie enthalten zum Beispiel Kampfer, Eukalyptusöl oder Menthol, riechen also irgendwie „gesund“. Berühren Kinder etwa ihre eingeriebene Brust und greifen sich dann in die Augen, kann das brennen. Kinder unter zwei Jahren sollten nicht mit solchen Präparaten eingerieben werden. Außerdem beeinflussen diese Mittel den Husten nicht besser als ein Placebo (Scheinmedikament) aus Vaseline.

Medikamentenfreie Maßnahmen: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, viel zu trinken und die Atemluft zu befeuchten. Ob das den Husten lindern kann, muss jeder selbst ausprobieren. Belege aus aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit sind nicht zu finden.

Hausmittel Honig: Tatsächlich gibt es Hinweise aus Studien, dass Honig den nächtlichen Husten von Kindern besser lindert als ein Placebo – in diesem Fall Dattelsirup. Aber Achtung: Honig ist für Kinder unter einem Jahr absolut tabu, denn er kann Bakterien enthalten, die für Säuglinge lebensgefährlich sind (Säuglingsbotulismus = Vergiftungsgefahr).


GPSP-Tipp

Einen Versuch ist es wert, dem hustenden Kind eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen (und Zähneputzen!) warme Milch oder Kräutertee mit Honig zu geben und für frische Zimmerluft zu sorgen.

Manche Eltern machen auch gute Erfahrungen damit, das hustende Kind nachts ins eigene Bett zu holen. Das kann beruhigend wirken.

Akuter Husten klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst wieder ab. Dauert er länger als vier Wochen, sollte auf jeden Fall der Kinderarzt oder die Kinderärztin aufgesucht werden.

Weil Husten in der Regel von Viren ausgelöst wird, sind Antibiotika meist nicht sinnvoll.


Mehr dazu im GPSP Heft 1/2016


  • Besser informiert, besser entscheiden

    Das Paul-Ehrlich-Institut ist die deutsche Kontrollbehörde für Impfstoffe.

  • Der perfide Zwilling

    Der Placebo-Effekt ist in der Medizin schon lange bekannt – und er hat durchaus seine guten Seiten.

  • Rezeptpflicht nötig

    Für viele Eltern ist es sicher unvorstellbar, ihrem kleinen Kind ein Medikament zu geben, damit es einschläft.

  • Weihnachtswünsche

    Wir wünschen allen GPSP-Leserinnen und Lesern eine schöne Weihnachtszeit und ein gesundes neues Jahr…

  • Antidepressiva und Selbsttötung

    Ging bei der Zulassung von Antidepressiva aus der Wirkstoffgruppe der SSRI alles mit rechten Dingen zu?

  • Pfeiffersches Drüsenfieber

    Wer kennt das nicht: Die Glieder tun weh, der Rachen ist entzündet, und zu allem Übel kommen auch noch Fieber, geschwollene Lymphknoten und womöglich Schmerzen im Hals- und Nackenbereich dazu.

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