Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2009 / 01 S. 04

Akute Atemnot

Wick VapoRub®: für Kleinkinder gefährlich

„Wenn die lieben Kleinen das nächste Mal von einer Erkältung geplagt werden, nehmen Sie sie in den Arm und lindern Sie ihre Symptome sanft und wirksam mit Wick VapoRub®“.1 Das klingt beruhigend und harmlos. Ist es aber nicht, denn eine wichtige Information fehlt in dieser Werbung. 

PusteblumeKinder unter zwei Jahren dürfen nicht mit Wick VapoRub® oder ähnlichen Erkältungssalben wie Grippostad® Erkältungsbalsam, Metholan Original® N Salbe, Pulmotin® Salbe oder Tumarol®N Balsam behandelt werden. Der Grund: Die Salben, die Menthol und/oder Kampfer sowie ätherische Öle enthalten, können Kleinkindern buchstäblich den Atem rauben. Diese Erfahrungen machten auch die Eltern eines 18monatigen Mädchens, dem sie Wick VapoRub® unter der Nase aufgetragen hatten (was laut Beipackzettel nicht erlaubt ist). Es musste mit Erstickungsanfällen in die ErsteHilfeStation gebracht werden.2

Bereits vor mehr als 20 Jahren gab es erste Warnungen, Säuglinge und Kleinkinder nicht mit Kampferhaltigen Erkältungssalben einzureiben.3 Die Kinderärzte, die jetzt das kleine Mädchen behandelten, forschten erneut nach. Im Tierversuch fanden sie, dass Wick VapoRub® die Schleimproduktion steigern und außerdem den Abtransport des Schleims aus den Atemwegen behindern kann. Dies kann besonders für kleine Kinder zur Gefahr werden, da deren Atemwege viel enger sind als die der Erwachsenen. Vermehrt gebildeter Schleim und andere Entzündungsreaktionen können dann die Atemwege bedrohlich verengen. Dies ist einer der Gründe, warum die Erkältungssalben bei überempfindlichen Atemwegen (z.B. Asthma bronchiale) nicht verwendet werden dürfen.

„Einige der Inhaltsstoffe von Wick VapoRub®, vor allem Menthol, täuschen dem Gehirn vor, dass man besser atmen kann. Es erzeugt ein Gefühl der Kälte. Das Gehirn interpretiert das fälschlicherweise als Hinweis auf eine bessere Belüftung der Atemwege“, kommentiert einer der Kinderärzte: „Wick VapoRub® gibt das Gefühl, sich besser zu fühlen. In Wirklichkeit hilft es aber nicht, besser zu atmen“.4

Formal wird zumindest im Beipackzettel von Wick VapoRub® korrekt informiert. In der Rubrik Gegenanzeigen steht: „Nicht bei Kindern unter zwei Jahren anwenden“ und „Bei Kindern unter 6 Jahren nicht als Inhalation anwenden“. Die Warnung ist allerdings nicht besonders hervorgehoben und geht im Gesamttext leicht unter. Zudem sucht man vergebens nach einer Begründung für die Warnung. Wenn man den Grund von Warnhinweisen nicht kennt, werden diese leicht ignoriert. Auch sind die Erkältungssalben rezeptfrei erhältlich. Ihre Risiken für Kleinkinder werden vermutlich von vielen Eltern nicht wahrgenommen. Dazu trägt auch die einlullende InternetWerbung bei.

Vor 25 Jahren reagierte der Wick VapoRub®Produzent auf die Warnungen mit verharmlosenden Werbekampagnen: „Wick VapoRub® ist zur Behandlung erkälteter Säuglinge hervorragend geeignet“, verbreitete er damals.5 Wir vermissen heute einen deutlichen Hinweis auf der Packung, der das Risiko klar beschreibt.


Quellen
1    Werbung für Wick VapoRub® im Internet unter: www.wick.de, Zugriff am 18. Jan. 2009
2    J.C. Abanses et al.: Chest 2009; 135: 143-48
3    arznei-telegramm 1986; Nr. 4 : 32
4    B.K. Rubin, zitiert nach Pressemitteilung der Wake Forest University Baptist Medical Center, 13. Jan. 2009
5    Wick-VapoRub®-Werbung: Dtsch. Apoth. Ztg. 1984; Nr. 1, 2. Umschlagseite
 


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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