Vitamin D gegen Asthma?
Aktualisierter Cochrane-Review findet keinen Nutzen
Luftnot, Husten, „pfeifender“ Atem: Menschen mit Asthma kennen solche Symptome von Zeit zu Zeit. Die Atemwegserkrankung lässt sich meist gut mit Medikamenten und unterstützenden Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung und Asthma-Schulungen behandeln.1 Das sorgt in der Regel dafür, dass belastende Beschwerden oder gar Asthma-Anfälle nur selten oder gar nicht auftreten.
Seit langem diskutiert die Fachwelt darüber, ob zusätzlich Vitamin D die Symptome einer Asthma-Erkrankung mildern oder einem schweren Krankheitsverlauf vorbeugen kann. Auch im Internet finden sich immer wieder entsprechende Behauptungen. 2016 kam eine systematische Übersichtsarbeit des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane zu dem Schluss, dass Vitamin D bei chronischem Asthma helfen könnte.
Ergebnisse nun anders
Seitdem sind aber einige neue Studien erschienen. Der im Februar 2023 aktualisierte Cochrane-Review des Wissenschaftsnetzwerks kommt jetzt zu einem deutlich anderen Ergebnis: Demnach verringert Vitamin D im Vergleich zu einem Scheinmedikament wahrscheinlich weder die Häufigkeit von schweren Asthma-Anfällen noch verbessert es die Kontrolle der Asthma-Symptome. Hinweise auf mehr Nebenwirkungen als mit Placebo fanden sich in den Studien bei den untersuchten Dosierungen allerdings auch nicht. In die Auswertung flossen die Daten von mehr als 2.000 Teilnehmenden aus 20 randomisierten kontrollierten Doppelblindstudien ein. Elf davon waren seit 2016 neu erschienen. An 15 der Studien nahmen ausschließlich Kinder, an fünf nur Erwachsene teil, alle mit leichtem bis mittelschwerem Asthma. Die Studien dauerten zwischen drei und 40 Monate.2
Noch sind Fragen offen
Alle Fragen kann der Cochrane-Review allerdings nicht beantworten. So gab es zwischen den analysierten Studien einige Unterschiede: Die meisten untersuchten Vitamin D3, allerdings in unterschiedlichen Dosierungen und verschiedenen Anwendungshäufigkeiten. Vergleiche zwischen hohen und niedrigen Dosierungen sowie zwischen monatlicher und täglicher Anwendung zeigten aber keine eindeutigen Unterschiede. Die höchste untersuchte Dosis lag bei 4.000 Internationalen Einheiten pro Tag. Über Nutzen und Risiken höherer Dosierungen lassen die Studien also keine Schlussfolgerungen zu.
Die Vitamin-D-Versorgung zu Beginn der Studie spielte offenbar keine Rolle. Für Menschen mit schwerem Asthma oder sehr starkem Vitamin-D-Mangel gibt es nach Einschätzung der Autor:innen aber noch zu wenig Daten, um verlässliche Aussagen zu treffen.
In einer der Studien verbesserte Calcidiol, eine bestimmte Form von Vitamin D, zwar die Asthma-Kontrolle. Da es sich nur um eine einzige und noch dazu eher kleine Studie handelt, schätzen die Autor:innen diesen Befund aber als nicht besonders verlässlich ein, sodass dieses Ergebnis erst noch in weiteren Studien bestätigt werden müsste. Weitere Untersuchungen können das Bild zum Nutzen von Vitamin D bei Asthma künftig möglicherweise noch verändern: Zum Zeitpunkt der Literatursuche hatten elf Studien zwar begonnen, waren aber noch nicht abgeschlossen.
Stand: 30. Juni 2023 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 04/2023 / S.12