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© Tom-Merton/ iStockphoto.com

Zusätzlicher Schutz für herzkranke Menschen durch Impfungen?

Dafür gibt es kaum Belege

Menschen, die eine Herzkrankheit haben, sollen dieselben Impfungen bekommen, wie sie 60-Jährigen empfohlen werden. Das sagt die Europäische Fachgesellschaft für Kardiologie, European Society of Cardiology (ESC). Die acht von der ESC genannten Impfungen entsprechen im Wesentlichen dem in Deutschland geltenden Impfkalender ab 60 Jahre.

Das Problem: Es gibt kaum Belege für die Aussage, dass Impfungen einen zusätzlichen Schutz für Herzkranke bieten. Wie kommt die Fachgesellschaft ESC dann zu diesen Empfehlungen? Sie fiel schon mehrfach wegen Missachtung wissenschaftlicher Standards auf. In unserem aktuellen Heft schauen wir uns die Details dazu an.

Diesen Fall nehmen wir zum Anlass, um eine kleine Zeitreise zu machen: Mit 3 Texten aus unserer Rubrik „Rückblende“, in der wir Geschichten aus der Medizingeschichte sammeln. Wie wurden eigentlich Impfungen entwickelt? Wer probierte die Immunisierung zuerst aus? Was brachte den Arzt Emil Behring etwa 100 Jahre später auf die Idee, dass es körpereigene Gegengifte gegen Bakterientoxine geben könnte? Und wie schafften es Impfungen, die Kinderlähmung fast auszurotten? Spannende Lektüre für die Ostertage!

Impfempfehlungen zum Schutz für Herzkranke nicht gut belegt

Dass Impfungen über den unterschiedlich starken Schutz vor Infektionen hinaus wirken, begründet die ESC hauptsächlich mit biomedizinischen Über­legungen. Diese mögen plausibel sein, bedürften aber einer Bestätigung durch Studien. Die Mühen einer systematischen Suche und Auswertung von Studien zu dem Thema hat sich die ESC aber nicht gemacht. Das Konsenspapier entstand im Wesentlichen dadurch, dass sich die beteiligten Mitglieder der Fachgesellschaft auf die Empfehlungen einigten. Dabei unterhalten 13 von 15 teils umfangreiche Beziehungen mit pharmazeutischen Unternehmen, darunter 10 mit Herstellern von Vakzinen. Am ehesten finden sich Hinweise darauf, dass die Grippeimpfung Menschen mit Herzkrankheiten zusätzlich nutzen könnte.

Aus der Geschichte von Impfungen: Pocken

Pocken galten jahrhundertelang als der „fürchterlichste Gehilfe des Todes“. Vermutlich fielen ihnen sogar mehrere Weltreiche zum Opfer. Diese Krankheit schonte weder Rang noch Namen: Königinnen und Prinzen starben ebenso daran wie Arme. Heute gelten die Pocken als ausgerottet – und daran haben auch Kühe und Milchmädchen einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Pockenimpfung.

Aus der Geschichte der Impfungen: Diphtherie

Im 19. Jahrhundert fürchteten besonders Eltern die Diphtherie – denn an der damals in vielen Regionen wütenden Infektionskrankheit starben vor allem Babys und Kleinkinder. Die Krankheitserreger werden hauptsächlich beim Husten oder Niesen übertragen und verursachen so Rachen-Diphtherie. Wie Emil von Behring zum „Retter der Kinder“ wurde

Aus der Geschichte von Impfungen: Kinderlähmung

Lange Zeit gab es keine effektiven Mittel, um die Kinderlähmung zu verhindern. Das änderte sich erst, als der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt eine große Spenden­kampagne unterstützte und so die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Kinderlähmung ermöglichte.

Mit vermeintlicher Demenzprävention Kasse machen

Zum Abschluss noch eine Leseempfehlung für die Glosse aus unserem aktuellen Heft, in der es noch mal um vermeintliche Wirkungen von Impfungen geht: Denn die Schlagzeile „Gürtelrose-Impfung könnte Demenzrisiko senken“ wird dieser Tage ganz ernsthaft selbst in Fachforen diskutiert. Was bislang als Schutz gegen einen schmerzhaften Ausschlag bekannt ist, der durch Herpes Zoster entsteht, wird nun zur kognitiven Wunderwaffe erklärt. Ganz nach dem Motto: Mit falschen Hoffnungen erreicht man verängstigte Menschen am besten.

 

Bietet Impfen zusätzlichen Schutz für Herzkranke?