Vertrauenswürdige Infos in Ärztenetzwerken?
Was ein Facharztreport über die Ziele des Betreibers verrät
Wie behalten Ärzt:innen den Überblick? Medizinische Infos sind schließlich überall, vor allem im Netz. Schnell zu erkennen, was vertrauenswürdig ist und was nicht, ist gar nicht so leicht. Da geht es den Fachleuten auch nicht anders als den Laien.
Tipps werden also gerne genommen. Das hat auch die Coliqio GmbH erkannt. Das Unternehmen sagt über sich: „Coliqio ist eine Informationsquelle für deutschsprachige Ärzt:innen.“1 So kann man es auch ausdrücken, denn eigentlich ist die GmbH eine Art soziales Netzwerk für Ärzt:innen. Mit ähnlichen Zielen: Die Mitglieder sollen die Plattform so oft es geht nutzen und den Infos, die dort ausgetauscht werden, vertrauen.
Nur: Wie sorgt das Unternehmen, eigentlich für Vertrauen? Schließlich gehört es zu einem Konzern, der sein Geld damit verdient, Pharmaunternehmen den Zugang zu Ärztinnen und Ärzten zu verkaufen. Der Facharztreport des Unternehmens „Trust-Shift: Wie Vertrauen als neue Währung den Kanalmix verändert“ lässt da tief blicken.2 Darin finden sich neben vielen bunten Grafiken, die Umfrageergebnisse unter den Mitgliedern zusammenfassen, auch Tipps für „Multiplikatoren“, also etwa die Pharmaindustrie. Sie erfahren, wie sich die Zielgruppe, also die Ärzt:innen, die Coliqio nutzen, zielgerichteter mit Infos versorgen lässt.
Eine praktische Kurzanleitung ist inklusive: „Sinnvoll wären vor allem kuratierte, evidenzbasierte Kurzformate: indikationsspezifische Updates auf ein bis zwei Seiten mit klarer Trennung zwischen Daten, klinischer Einordnung und offenen Fragen.“ Damit sich Ärzt:innen, die ja bekanntlich immer unter Zeitnot leiden, schnell und unkompliziert über neue Arzneimittelentwicklungen direkt von der Industrie informieren lassen können. Auf Interessenkonflikte und werbende Inhalte wird ja schließlich hingewiesen. Wie vertrauenswürdig!
Stand: 2. September 2026 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2026 / S.28