Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 02 S. 14a

Kurz und knapp:

Metall entfernen?

Implantat im Fuß

Wer sich beim Sport oder dem Sprung von der Leiter einen oder gleich mehrere Fußknochen bricht, hat nach ärztlicher Versorgung meist Schrauben, Platten oder Drähte im Fuß. Sie sollen beim Zusammenwachsen der Knochenbruchstücke für Stabilität sorgen. In der Regel kann das Metall an Ort und Stelle bleiben. Nur bei Schmerzen oder Funktionseinschränkungen – also wenn der Fuß nicht mehr so läuft, wie er sollte – ist es empfehlenswert, das Metall zu entfernen.

Warum nicht immer?
Obwohl das Metall steril entfernt wird, kommt es dabei immer wieder zu Infektionen. Das spricht dafür, kurz vor dem Eingriff ein Breitbandantibiotikum wie Cefazolin zu geben. Doch die US-amerikanische Behörde CDC (Centers of Disease Control and Prevention) empfiehlt keine Antibiotika-Prophylaxe, da die Infektionswahrscheinlichkeit sehr gering sei. Nun haben sich niederländische Forscher diesem Problem angenommen.1 In einer ordentlichen Studie (prospektiv, Placebo-kontrolliert, doppelblind) fanden sie heraus, dass bei rund 500 Patienten mit Implantatentfernung die Infektionsrate mit 14% erstaunlich hoch war, egal ob mit oder ohne Antibiotikum.
Das bedeutet: Das Infektionsrisiko ist höher, als bisher vermutet. Und der prophylaktische Einsatz eines Antibiotikums, d.h. schon vor der Operation, hat keinen Nutzen. Wenn ein Implantat im Fuß keine besonderen Probleme bereitet, sollte es bleiben, wo es ist. Patienten und manche Ärzte denken oft, es sei besser, das Metall zu entfernen. Aber gerade in den unteren Gliedmaßen ist mit Wundinfektionen nicht zu spaßen, denn unterhalb des Knies verlaufen Heilungsprozesse komplizierter. Unter anderem ist das Gewebe weniger gut durchblutet, wodurch sich Infektionen häufiger ausbilden können.


1    DER ARZNEIMITTELBRIEF (2018), 1, S. 4


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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