Hohe Profite: Die Pharmaindustrie weiß, wie
Zu hohe Preise, die mit Tricks künstlich hoch gehalten werden
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Ein Rechercheverbund, an dem unter anderem auch die Redaktion des Politmagazin ZDF frontal beteiligt war, machte auf den Fall des Krebsmedikaments Keytruda (Wirkstoff Pembrolizumab) aufmerksam. In Zeiten, in denen die gesetzlichen Krankenkassen sparen sollen, macht der Hersteller MSD damit Milliardenumsätze – auch in Deutschland.
Das Mittel ist das umsatzstärkste Medikament der Welt. In Deutschland brachte es MSD 2025 mehr als zwei Milliarden Euro ein. Aber muss das Mittel wirklich so teuer sein?
Der Hersteller rechtfertigt den teuren Preis mit hohen Forschungskosten. Doch ohne die Forschung von Universitäten wäre die Entwicklung des Arzneimittels nicht gelungen. Das heißt: Das Unternehmen profitiert von öffentlicher Forschung, die mit Steuergeldern finanziert wird. Doch damit nicht genug. Auch für die hohen Preise kommt die Öffentlichkeit auf. Versicherte zahlen also doppelt.
Interview: Warum die Öffentlichkeit für Arzneimittel doppelt bezahlt
Die Pharmaindustrie begründet die enormen Preise für Arzneimittel mit eigenen hohen Forschungskosten, dabei steckt in den teuren Arzneimitteln viel öffentlich finanzierte Forschung. Das war das Ergebnis einer Studie des österreichischen Instituts für health Technology Assessment (AIHTA). Claudia Wild war lange Leiterin dieses Instituts, ist Expertin für Transparenz in der Arzneimittelforschung und erklärt im Interview Zusammenhänge.
Pembrolizumab: Kein Fortschritt, aber ein neues Patent
Pembrolizumab ist zur Behandlung zahlreicher Krebsarten zugelassen und bei einigen verlängert es das Überleben der Patient:innen. Seit der Einführung des Medikaments hat die Firma MSD mit Pembrolizumab 146 Milliarden US-Dollar eingenommen. Allein 2024 spülte das Mittel knapp 30 Milliarden in die Kassen von MSD. Ein Trick hilft dem Unternehmen, die Preise für das Medikament dauerhaft hochzuhalten.
Nutzenbewertung: Erfolgsmodell mit kleinen Schönheitsfehlern
Seit 15 Jahren wird bei allen neuen Medikamenten in Deutschland geprüft, ob sie Patient:innen tatsächlich besser helfen als die bislang verwendeten. Am 1. Januar 2011 trat das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz – kurz AMNOG – in Kraft. Hinter dem Wortungetüm steht ein klarer Auftrag: die systematische Prüfung des Nutzens aller Neueinführungen auf dem deutschen Arzneimittelmarkt. Das Gesetz verfolgt zwei Ziele: die Versorgung zu verbessern und die Krankenversicherung finanzierbar zu halten. Wie funktioniert das? Und welche Effekte hat die Nutzenbewertung?
Rabatte für Diabetesmedikament Tirzepatid vertraulich
Die Nutzenbewertung für neue Arzneimittel in Deutschland trennt nicht nur die Spreu vom Weizen, sondern bringt auch erhebliche Einsparungen für die Versicherten. Bislang sind die mit den Krankenkassen ausgehandelten Rabatte bekannt. Diese Transparenz ist der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge: Sie macht es für die Firmen schwieriger, in anderen Ländern hohe Erstattungspreise durchzusetzen. Mit dem Versprechen, eine neue Produktionsstätte in Deutschland zu bauen, schaffte es das Unternehmen Lilly 2024, die Bundesregierung zu überzeugen, eine Geheimhaltungsklausel für die Rabatte in das Medizinforschungsgesetz zu schmuggeln.
Pillen-Poker: Ein kritischer Blick auf die Pharmaindustrie
Es geht um das Geschäft mit unserer Gesundheit. Das macht das Buch Pillen-Poker von Anfang an klar und gibt einen tiefen Einblick in die Machenschaften der Pharmaindustrie, die politischen Rahmenbedingungen für die Gesetzgebung und wie diese geschickt umgangen werden können. Der Mitgründer und Chefredakteur von Gute Pillen – Schlechte Pillen, Jörg Schaber, zeigt in seinem Buch konkrete Auswege aus dem Dilemma auf. Er stellt Überlegungen an, wie Forschung zu Arzneimitteln zukünftig besser organisiert und finanziert werden könnte, zum Wohle der Allgemeinheit und nicht der Pharmafirmen. Dabei stellt er die Vorteile der öffentlichen Forschung heraus und weist auf Perspektiven für politisches Handeln hin. Wir veröffentlichen eine Rezension aus dem Rundbrief des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten.
Stand: 17. April 2026