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Vom Geschäft mit der Gesundheit

„Pillen-Poker“ wirft einen kritischen Blick auf die Pharmaindustrie

Schaaber Pillen-Poker
© Suhrkamp Jörg Schaaber (2023) Pillen-Poker. Berlin: Suhrkamp Verlag, 240 Seiten, 18,00 €, eBook 15,99 €

Es geht um das Geschäft mit unserer Gesundheit. Das macht das Buch von Anfang an klar und gibt einen tiefen Einblick in die Machenschaften der Pharmaindustrie, die politischen Rahmenbedingungen für die Gesetzgebung und wie diese geschickt umgangen werden können.

Der Autor deckt Missstände auf und klärt auf, etwa über verbreitete Annahmen wie „Arzneimittel müssen wegen der Produktionskosten so teuer sein“. Am Beispiel des Hepatitis-C-Medikaments Sofosbuvir zeigt Schaaber, dass die Produktionskosten in diesem Fall gerade einmal 0,1 Prozent des Verkaufspreises ausmachen, und macht deutlich, dass auch die Forschungskosten die exorbitant hohen Verkaufspreise nicht rechtfertigen.

Ihr Fett weg bekommt dabei vor allem die Pharmaindustrie. Aber auch bei Behörden, Fachgesellschaften und Patient:innenverbänden achtet der Autor genau auf industrielle Einflussnahmen. Den Fokus behält er dabei auf Arzneimitteln. Spannend ist aber auch das Kapitel zu den Nahrungsergänzungsmitteln (von Schaaber „Scharlatanerie“ genannt), ein weiterer großer Markt, bei dem schwammige und grenzwertige Werbeaussagen eher die Regel als die Ausnahme sind.

Daneben bietet das Buch auch einen kleinen Geschichtsexkurs: Die Entwicklungen des Arzneimittel- und Gesundheitswesens stellt der Autor für Deutschland und weltweit dar, sodass die Leser:innen gut darüber informiert werden, warum viele vermeintlich selbstverständliche Dinge in der Branche so sind wie sie sind.

Die vielen gut recherchierten und verständlich erklärten Beispiele machen sprach- und fassungslos. Wenn man denkt, es geht nicht noch schlimmer, nicht noch schamloser, dann setzt der Autor mit Sätzen wie „Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende“ immer noch einen darauf.

Das Buch liest sich wie ein mit vielen Hintergrundinformationen ausgestatteter Krimi über die Machenschaften der Pharma­industrie, der überdies anschaulich geschrieben ist. An manchen Stellen kommt man dabei nicht herum, das ganze Gesundheitssystem in Frage zu stellen. Bis dann glücklicherweise das letzte Kapitel einen Ausblick gibt, wie es auch anders gehen könnte. Das macht Mut und Hoffnung für unsere Gesundheit!

Schaaber zeigt konkrete Auswege aus dem Dilemma auf. Er stellt lesenswerte Überlegungen an, wie Forschung zu Arzneimitteln zukünftig besser organisiert und finanziert werden könnte, zum Wohle der Allgemeinheit und nicht der Pharmafirmen. Dabei stellt Schaaber die Vorteile der öffentlichen Forschung heraus und weist auf Perspektiven für politisches Handeln hin. Auf Basis seiner genauen Recherchen und Analysen leitet er konkrete Forderungen ab.

Pillen-Poker eignet sich für alle, die sich nicht weiter täuschen lassen wollen und einen kritischen Blick auf die Pharma- und Arzneiwelt nicht scheuen. Wertvoll nicht nur für Menschen aus dem Gesundheitswesen, sondern auch für Patient:innen ein echter Gewinn!

Hinweis: Da der Autor des besprochenen Buchs Mitglied der GPSP-Redaktion ist, haben wir die Rezension aus dem Rundbrief des „Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten“ übernommen. Sie wurde von der Autorin für GPSP überarbeitet.

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 02/2024 / S.18