Zum Inhalt springen
©Dmitr1ch_iStock

Bor als Nahrungsergänzung: Gesund oder gefährlich?

Im Internet werben Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln mit Bor mit gesundheitlichem Nutzen. Das ist aber nicht erlaubt. Klar ist: Auf Dauer kann zu viel Bor schaden.

Sie sollen die Knochen stärken, Gelenkschmerzen lindern, die Gedächtnisleistung verbessern, Vitamin D im Körper aktivieren, beim Muskelaufbau helfen oder sogar vor Prostatakrebs schützen: borhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Aber stimmt das überhaupt?

Was ist zulässig?

Derzeit dürfen in der EU in Lebensmitteln nur drei Bor-Verbindungen eingesetzt werden: Borsäure, Borax (Natriumborat), und Calcium-Fructo-Borat. Unter den Bezeichnungen E 284 und E 285 werden Borsäure beziehungsweise Borax auch als Konservierungsmittel eingesetzt, das ist allerdings nur für echten Kaviar zulässig.

Andere Bor-Verbindungen können jedoch in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten sein, die von Anbietern aus dem Nicht-EU-Ausland stammen. Die Einfuhr in die EU ist zwar nicht erlaubt, aber nicht immer fällt das dem Zoll auf.1

Wo kommt Bor vor?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat das Spurenelement Bor als nicht-essenziellen Nährstoff eingestuft. Bisher ist es also unklar, ob der Körper Bor überhaupt benötigt – und falls ja, wofür. Deshalb gibt es keine Zufuhrempfehlungen und es ist auch nichts über einen Bormangel bekannt, auch wenn einige Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln das Gegenteil behaupten.

Bor kommt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Nüssen, Getreideprodukten sowie in Wein und Bier vor. Auch Trink- und Mineralwasser enthalten Bor, Fleisch- und Milchprodukte dagegen kaum.

Bei einer üblichen Mischkost nimmt der Körper schätzungs­weise zwischen 1 bis 3 Milligramm Bor am Tag auf. Bei Vege­tarier:innen und Veganer:in­nen liegt dieser Wert etwas höher.

Gut für die Gesundheit?

Die Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln dürfen übrigens nicht mit einem Nutzen bei bestimmten Erkrankungen werben. Das gilt auch für borhaltige Nahrungsergänzungsmittel. Für diese sind gesundheitsbezogene Aussagen bisher vollständig verboten: Anbieter hatten bei der EFSA beantragt, mit Bezug auf eine gesunde Prostata, Schilddrüse, Gelenke oder Gehirnfunktion werben zu dürfen. Weil die Anbieter keine ausreichenden Belege dafür vorgelegt haben, hat die EFSA entsprechende Aussagen allerdings nicht genehmigt.2

Zu viel Bor schadet

Wer über einen längeren Zeitraum hohe Mengen an Bor-Verbindungen zu sich nimmt, riskiert Gesundheitsschäden zum Beispiel an Nieren und zentralem Nervensystem. In Tierversuchen zeigten sich bei höheren Dosierungen auch Auswirkungen auf das männliche Fortpflanzungssystem sowie Entwicklungsstörungen bei ungeborenen Rattenbabys.

Die EFSA empfiehlt deshalb, dass Erwachsene pro Tag maximal 10 Milligramm Bor aufnehmen sollten, für Kinder und Jugendliche gelten altersabhängig niedrigere Tageshöchstmengen. Diese Mengen beziehen sich auf die gesamte Zufuhr, inklusive dem Gehalt in Lebensmitteln.

Empfehlungen für Höchstmengen

Das Bundesamt für Risikobewertung rät, dass Erwachsene höchstens 0,5 Milligramm Bor pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen sollten. Übliche Nahrungsergänzungsmittel enthalten nicht selten eine Tagesdosis von 3 Milligramm und damit deutlich mehr.

Weil die Tageshöchstmengen bei Kindern und Jugendlichen oft schon bereits durch normale Lebensmittel erreicht sind, sollten sie überhaupt keine borhaltigen Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.3 Wenn Präparate Calcium-Fructo-Borat enthalten, müssen sie den Hinweis tragen, dass sie nicht für Minderjährige sowie Schwangere und Stillende geeignet sind.4 Bei anderen borhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ist das bisher nicht erforderlich.

Was tun?

Nahrungsergänzungsmittel mit Bor haben vermutlich keinen Nutzen, bringen aber gesundheitliche Risiken mit sich. Das spricht alles gegen eine ergänzende Zufuhr von Bor.

PDF-Download

– Gute Pillen – Schlechte Pillen 03/2023 / S.22