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©Dean_Mitchell_iStock

Behandlungen bei Knie-Arthrose: Was bringen sie?

Low-Dose-Bestrahlung, Zuckerspritzen, Hyaluronspritzen und andere Produkte gegen Gelenkerkrankungen

Meistens entwickelt sich eine Arthrose über mehrere Jahre. Sie kann in unterschiedlichen Gelenken entstehen, oft betrifft sie das Knie. Dann wird der Alltag wegen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zum Problem, Stichwort Treppensteigen.

Früher dachte man, Arthrose entsteht durch Verschleiß des Knorpels, weil vor allem ältere Menschen darunter leiden. Doch dahinter stehen komplexe Stoffwechselvorgänge, die zu Entzündungsprozessen führen. Sie können verschiedene Gelenkstrukturen angreifen: Knorpel, Gelenkhaut, Knochen, Bänder und Kapsel. Auch die Muskulatur rund um das Gelenk kann schwächer werden.

Laut einer großen Studie aus dem Jahr 2020 mit über 100.000 Personen berichten circa 4 Prozent der Erwachsenen, in den letzten 12 Monaten wegen Kniearthrose behandelt worden zu sein. Arthrose ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich lindern. Doch was wirkt – und was nicht?

Neben gezielter Bewegung und Gewichtsreduktion, werden häufig entzündungshemmende Schmerzmittel eingesetzt. Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist, kann ein Gelenkersatz in Frage kommen. Zu vielen Behandlungsmethoden, die häufig angeboten werden, fehlt jedoch oft der Nachweis, dass der Nutzen größer ist als die Risiken.

Was bringt die niedrig dosierte Bestrahlung bei Arthrose?

Laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) „Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen“, kann eine Low-Dose-Bestrahlung bei Kniearthrose, Hüftarthrose, Omarthrose (Schultersyndrom) oder bei Arthrosen kleiner Gelenke erfolgen, wenn konservative Therapien erfolglos sind und operative Eingriffe nicht infrage kommen. Die Krankenkassen bezahlt die niedrig dosierte Strahlentherapie. Aber der Nutzen der Behandlung ist nicht nachgewiesen.

Was die sogenannte Proliferationstherapie bei Knie-Arhrose bringt

Vor allem orthopädische Praxen bieten unter dem Namen „Proliferationstherapie“ Spritzen ins Gelenk an. Die Theorie dahinter: Die Zuckerlösung soll durch ihre hohe Konzentration das Gewebe und insbesondere die Knorpelzellen anregen und so zur Erneuerung führen. Die Spritzen enthalten neben Traubenzucker meist auch ein Mittel zur örtlichen Betäubung. In der Regel empfehlen die Praxen mehrere Behandlungen, etwa sechs bis zwölf Sitzungen im wöchentlichen Abstand. Ein Leser wollte von uns wissen, was solche „Zuckerspritzen“ bei Kniearthrose bringen.

Hyaluron-Spritzen verbessern weder Schmerzen noch Beweglichkeit bei Knie-Arthrose

Über den Nutzen der Therapie stritten Fachleute 50 Jahre lang. Eine große systematische Übersichtsarbeit zog einen Schlussstrich unter die Debatte. Um Nutzen und Risiken verlässlich zu beziffern, konzentrierte sich das Forschungsteam auf große Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder Spritzen mit Hyaluronsäure oder Spritzen mit Placebo erhielten. Für diese Auswertung standen je nach Aspekt die Daten von 6.000 bis 9.000 Patient:innen mit Knie-Arthrose zur Verfügung. Dabei stellte sich heraus, dass Spritzen mit Hyaluronsäure Schmerzen im Vergleich zu Placebo zwar etwas lindern können. Allerdings nur so wenig, dass es für viele Menschen mit Knie-Arthrose keinen wesentlichen Unterschied macht.

Produkte gegen Gelenkerkrankungen: Vorsicht Betrugsmasche!

Im Internet preisen Seiten, die wie Nachrichtenportale aussehen, Produkte gegen Gelenkerkrankungen an. Die Namen der Mittel wechseln, doch dahinter verbirgt sich stets dieselbe ­Betrugsmasche. Das Schema ist immer das gleiche: Ein genialer Student oder eine ebensolche Studentin hat ein Produkt entwickelt, das die Medizin revolutionieren soll. Die Motivation für diese Entdeckung ist stets eine tragische Familiengeschichte; mal betrifft es die Mutter, mal den Vater oder die Oma. Sie alle litten unter „Gelenk­erkrankungen“, die Ärzte nicht zufriedenstellend behandelten. Doch die Produkte helfen nicht, im Gegenteil: Oft schaden sie.

 

Low-Dose-Bestrahlung bei Arthrose