Antidepressiva: Risiko Suizid
Was Betroffene zu der Nebenwirkung wissen müssen
Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva, bei Dosisänderungen und beim Absetzen ist Vorsicht geboten. Was hilft, um die Risiken zu senken?
Selbsttötung oder Gedanken daran gehören zu den schwerwiegendsten Folgen einer Depression. Um eine mittelschwere oder schwere Depression zu behandeln, werden Psychotherapie und/oder Antidepressiva empfohlen. Fachleute weisen jedoch auf eine oft zu wenig bedachte unerwünschte Wirkung hin: In bestimmten Situationen können Antidepressiva möglicherweise das Suizidrisiko erhöhen.1
Regelmäßiges Monitoring
Die aktuelle Leitlinie zur Behandlung einer Depression2 empfiehlt, dass Ärztin oder Arzt bei Menschen mit Depression regelmäßig erfragen sollen, ob sie suizidale Gedanken haben. Im ersten Monat einer Behandlung – egal ob mit Medikamenten oder mit Psychotherapie – wird ein solches Monitoring wöchentlich empfohlen, im zweiten und dritten Monat alle zwei bis vier Wochen und danach in längeren Intervallen.
Eine Behandlung mit Antidepressiva beginnt meist mit einer niedrigeren Dosis und wird dann, je nach Verträglichkeit und Wirkung, gesteigert. Besonders in dieser Phase verändert sich die Impulsivität und es können Gedanken an Suizid entstehen oder sich verstärken. Daher sollten Patient:innen die Symptome kennen, die auf ein erhöhtes Suizidrisiko hindeuten. Dazu gehören innere und äußere Unruhe, ein Getriebensein oder vermehrte Ängste oder Schlafstörungen. Auch beim Absetzen eines Antidepressivums können solche Symptome vermehrt auftreten.
Häufigkeit und Ursache unklar
Warum bei Behandlungsbeginn das Suizidrisiko ansteigt und wie häufig das vorkommt, ist nicht bekannt. Ein Grund dafür: An den Zulassungsstudien der heute häufig verordneten Antidepressiva durften die meisten Menschen mit Depressionen und Suizidgedanken sicherheitshalber erst gar nicht teilnehmen. In manchen Studien wurden suizidale Ereignisse durch die Hersteller sogar heruntergespielt.3 Außerdem ist Suizidalität ein sehr komplexes Geschehen mit vielen Einflussfaktoren und kann auch ein Symptom von schweren Depressionen sein. Es ist im Einzelfall kaum zu unterscheiden, ob suizidale Gedanken durch die zu Grunde liegende Erkrankung oder durch Medikamente ausgelöst werden. Daher werden solche Ereignisse auch nur sehr selten als mögliche Arzneimittelnebenwirkung wahrgenommen und gemeldet.
Wer muss besonders aufpassen?
Gefährdet sind besonders Menschen, die schon vor Behandlungsbeginn Suizidabsichten äußern oder in der Vergangenheit bereits Suizidversuche unternommen haben.
Besondere Risiken gibt es auch bei jüngeren Menschen unter 25 Jahren. Schon vor mehr als 20 Jahren war aufgefallen, dass bestimmte Antidepressiva bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Risiko für suizidale Gedanken und suizidales Verhalten steigern können.
Daher dürfen die meisten Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen verordnet werden.
Was tun?
Wenn Sie Antidepressiva einnehmen, sollten Sie Veränderungen immer mit Arzt oder Ärztin absprechen. Das gilt sowohl für Dosisänderungen als auch für das vollständige Absetzen des Medikaments. Informieren Sie Ärztin oder Arzt darüber, wenn bei Ihnen Suizidgedanken auftauchen. Auch Angehörige und Freunde sollten um das Risiko wissen und gegebenenfalls Hilfe holen.
Stand: 14. März 2025 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 02/2025 / S.23