Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2009 / 05 S. 03

Schweinegrippe

Zum Impfen gehen – oder nicht?

SpritzeAlarmierende Berichte in der Presse, dass immer mehr Menschen an Schweinegrippe erkranken, wecken bei vielen den Eindruck, dass uns eine höchst gefährliche Pandemie bevorsteht. Das „Sommerloch“ der Medien sorgte für eine ausführliche Berichterstattung. Gleichzeitig bemühen sich die Behörden um den Eindruck, dass sie alles im Griff haben: Für hunderte von Millionen Euro ließen sie virenhemmende Mittel wie Tamiflu® einlagern und für 700 Millionen Euro eine Massenimpfung mit einem neuen Impfstoff gegen Schweinegrippe vorbereiten.

Mindestens 50 Millionen Dosen Impfstoff gegen Schweinegrippe – auch Mexikanische oder neue Grippe genannt – sollen in einigen Wochen zur Verfügung stehen. Sie sollen ausreichen, um 25 Millionen Menschen zu impfen. Dieser Impfstoff soll nämlich zweimal gespritzt werden, im Abstand von mindestens zwei Wochen. Der Impfstoff gegen Schweinegrippe ersetzt nicht die jährliche saisonale Grippeimpfung im Herbst, denn er wirkt nicht gegen die üblichen Grippeviren.

Es gibt keinen anderen Impfstoff, der so häufig verwendet wird wie der für die jährliche saisonale Grippe­impfung. Leider hat man für die Herstellung der Schweinegrippe-Impf­stoffe schlecht erprobte Wege eingeschlagen. Der demnächst bei uns auf den Markt kommende Impfstoff geht auf eine Musterzulassung zurück, die die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA ursprünglich für die Vogelgrippe erteilt hatte. Jetzt werden lediglich die Vogelvirusantigene gegen Schweinevirusantigene ausgetauscht. Dies ist jedoch nicht das Problem, sondern dass der Impfstoff ein neues, ungebräuchliches Wirkverstärkergemisch enthält. Da es bislang nicht in handelsüblichen Grippeimpfstoffen erprobt ist, fehlen ausreichende Erfahrungen.

Angeblich um die Produktion zu beschleunigen, enthält der Schweinegrippe-Impfstoff relativ geringe Mengen der für die Wirkung erforderlichen Virus-Antigene. Ausgeglichen wird dieser Mangel durch Wirkverstärker, die von der Deutschen Zulassungsbehörde als „so etwas wie Bio-Wirkverstärker“ verharmlost werden. Sie verstärken die Effekte der Antigene – allerdings nicht nur die erwünschten, sondern auch die unerwünschten, etwa Schwellung und Schmerzen im Injektions­bereich, aber auch Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und anderes mehr. Die Risiken seltener, aber möglicherweise bedrohlicher Folgen über­-
schießender Reaktionen des Immunsystems wie aufsteigende Lähmungen lassen sich nicht abschätzen.1,2

Üblicherweise werden mit neuen Arzneimitteln nach der Zulassung allmählich mehr und mehr Erfahrungen gemacht. Der neue, relativ schlecht erprobte Impfstoff gegen Schweinegrippe soll jedoch innerhalb kürzester Zeit 25 Millionen Menschen gespritzt werden. Deshalb ist die Impfkampagne auch als „Großversuch an der deutschen Bevölkerung“ bezeichnet worden. Kommt es bei dieser Massenimpfung zu unerwarteten Nebenwirkungen, könnten viele Menschen betroffen sein, bevor gegengesteuert werden kann.

SchweinegrippeEs drängt sich der Verdacht auf, dass der Großauftrag für Schweinegrippe-Impfstoffe mit Wirkverstärkern eher den Interessen der Hersteller an einem einfach zu produzierenden Impfstoff entgegen kommt als den Interessen der Menschen an einem bewährten und optimal verträglichen Impfstoff. Dafür spricht auch, dass ein quecksilberhaltiges Konservierungsmittel enthalten ist, das auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation aus modernen Impfstoffen längst verbannt worden ist.

Glücklicherweise verläuft die Schweinegrippe nach wie vor überwiegend milde. Bislang ist in Deutschland kein Mensch daran gestorben. Eine Notwendigkeit für eine Massenimpfung sehen wir derzeit nicht. Dennoch wird öffentlich zu ihr geraten und betont, dass das Schweinegrippevirus im Herbst durch Kon­takt mit der jährlichen Wintergrippe aggressiver werden und stärker schädigen könne. Dies ist zwar theoretisch denkbar, aber kein Argument: Sollte sich das Schweinegrippevirus so erheblich verändern, würde die jetzige Impfung mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig helfen. Schließlich wirkt jeder Impfstoff im Wesentlichen nur gegen die Erreger, deren Antigene er enthält.

Außerdem: Wie stark der neue Schweinegrippe-Impfstoff tatsächlich vor bedrohlichen Folgen der Schweinegrippe schützt, bleibt offen. Denn vor der Vermarktung wird lediglich geprüft, wie sehr die Impfung im Blut die Antikörperwerte gegen das Virusantigen ansteigen lässt. Dies sagt aber nicht, ob und in welchem Umfang die Geimpften tatsächlich vor Folgen der Infektion wie Asthmaanfälle, Bronchitis, Lungenentzündungen oder gar Tod geschützt sind. Angesichts der gigantischen Kosten der Impfaktion von mindestens 700 Millionen Euro bleibt es unverständlich, dass der Großauftrag für den Impfstoff nicht an die Verpflichtung zu einer Studie gekoppelt worden ist, in der der tatsächliche Nutzen für die Geimpften geprüft wird.2,3

Schwangere sollen nach bisherigen Erkenntnissen besonders stark durch die Schweinegrippe gefährdet sein. Die WHO empfiehlt daher, auch Schwangere zu impfen. Für Deutschland erscheint uns diese Empfehlung bedenklich, da der Impfstoff Wirkverstärker enthält, für die Erfahrungen bei Schwangeren fehlen. In den USA setzt man auf Impfstoffe ohne Wirkverstärker. Aufgrund der großen Erfahrungen mit solchen konventionellen Präparaten können Schwangere dort damit geimpft werden.
Da die Schweinegrippe hierzulande milde verläuft, können wir eine Massenimpfung nicht empfehlen. Darüber hinaus basiert der Impfstoff nicht auf der bewährten Produktionsweise. In der Regel werden gesunde Menschen geimpft, um sie vor einer möglichen Erkrankung zu schützen. Unkalkulierbare Risiken, die mit der Wirkverstärkertechnologie verbunden sein könnten, lassen sich dabei nicht rechtfertigen.


Quellen
1    1976 gab es im Fort Dix (USA) Infektionen mit einem bis dahin nicht bekannten Grippevirus. Präsident
Ford ordnete daraufhin an, einen Grippeimpfstoff für alle US-Amerikaner herzustellen. Dieser wurde in
aller Eile produziert. Erst als 40 Millionen Amerikaner geimpft waren, fiel auf, dass in der Folge mehrere
hundert an lebensbedrohlichen aufsteigenden Lähmungen erkrankt waren, 32 starben. Besonders
tragisch war, dass man nur die eventuelle Bedrohlichkeit des Virus im Blick hatte. Außerhalb der Kaserne
wurden nämlich keine Infektionen mit dem Grippevirus entdeckt.
2    blitz-arznei-telegramm vom 25. August 2009
3    Zumindest für kommende Pandemien hätte man dadurch eine Basis, auf der über die dann anstehenden Strategien entschieden werden könnte.

Persönliche Vorsorge

Grippeviren werden vor allem durch Tröpfchen übertragen. Durch Niesen oder Husten gelangen die Erreger in die Luft und beispielsweise auf die Hände. Durch direkte Kontakte werden die Viren auch über die Hände weiterverbreitet. Die Hände sollen daher häufiger gewaschen werden. Auch empfiehlt es sich beispielsweise nicht in die Hand zu husten, sondern in ein Taschentuch. Zum Naseputzen verwenden Sie stets Einmaltaschentücher, die Sie auch wirklich nur einmal benutzen und möglichst rasch in den Müll geben.
Sollten Sie an einer Virusgrippe erkrankt sein, schützen Sie andere, indem Sie Abstand halten und auf Körperkontakt wie Umarmen, Küssen usw. verzichten.


Wie funktioniert die Grippeimpfung?

Bei der Impfung werden Virusbestandteile (Antigene) gespritzt, die das Immunsystem dazu anregen, gegen das Virus gerichtete Antikörper zu bilden. Bei einer Infektion mit den gleichen Grippeviren kann das vorgewarnte Immunsystem dann rasch reagieren und das Virus bekämpfen.


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