Verhütung: Besser mit Hormon- oder Kupferspirale?
Wenig Unterschiede bei Nutzen und Risiken
Wie unterscheiden sich Hormon- und Kupferspiralen bei Verhütungssicherheit und Nebenwirkungen? Mit dieser Frage hat sich eine Studienauswertung im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschäftigt, die im März 2023 im Rahmen von „Themencheck Medizin“ erschienen ist.1 Bei diesem Programm können Bürger:innen Themenvorschläge für die Bewertung von medizinischen Untersuchungen oder Behandlungen einreichen.
Ähnliche Verhütungssicherheit
In die Analyse flossen Daten aus acht randomisierten kontrollierten Studien ein, bei denen die insgesamt 10.000 Teilnehmerinnen entweder mit der Hormon- oder Kupferspirale verhüteten. In den drei größten Studien wurden Daten über fünf bis zehn Jahre erhoben.
Das Ergebnis der Analyse: Beide Arten von Spiralen verhüten Schwangerschaften ähnlich zuverlässig, die Hormonspirale eventuell ein kleines bisschen besser.2
Unterschiede bei der Regelblutung
Bei Kupferspiralen verstärkte sich in den Studien die Regelblutung oft, bei Hormonspiralen wurde sie schwächer oder blieb sogar ganz aus. Bei der Hormonspirale kam es häufiger zu hormonell bedingten Beschwerden wie Akne, Übelkeit, Depressionen oder Gewichtsveränderungen. Ausstoßungen der Spirale und Eileiter-Schwangerschaften waren mit Hormon- und Kupferspirale ähnlich häufig, ebenso wie andere Nebenwirkungen, etwa Schmerzen beim Einsetzen oder Entzündungen im Bauchraum.
Was offen bleibt
Alle Studien wiesen allerdings methodische Mängel auf. So wussten etwa alle Beteiligten, wer welche Spirale erhalten hatte. Das kann sich darauf auswirken, wie die Teilnehmerinnen Nebenwirkungen wahrnahmen oder wie diese in der Studie dokumentiert wurden. Diese Mängel schränken die Aussagekraft der Vergleiche ein.
Die Studien untersuchten jeweils nur eine bestimmte Art von Hormonspirale (mit 52 Milligramm Levonorgestrel), überwiegend auch nur eine Sorte Kupferspirale (mit einer Oberfläche von 380 mm2). Es gibt inzwischen aber auch Hormonspiralen mit einem geringeren Hormongehalt und Kupferspiralen mit anderen Kupfermengen oder in anderen Formen (z.B. Kupferkette oder Kupferball). Dazu fanden sich aber keine vergleichenden Studien.
An den vorhandenen Studien nahmen mehrheitlich nur Frauen zwischen 18 und 43 Jahren teil, die zuvor schon mindestens einmal schwanger waren. Ob sich die Ergebnisse des Vergleichs auch auf andere Frauen übertragen lassen, lässt sich nicht sicher sagen.
Individuell entscheiden
Der Vergleich mit anderen Verhütungsmethoden gehörte nicht zum Auftrag der Auswertung. Die Autor:innen weisen aber darauf hin, dass es keine ideale Lösung für alle Personen gibt. Wichtig sei es deshalb die Methode zu wählen, die zur eigenen Lebenssituation passt.
Hormonspiralen: Mehr Eileiter-Schwangerschaften bei niedriger Dosis?
Stand: 15. August 2023 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2023 / S.20