Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2017 / 02 S. 22bLb

Leserbriefe:

Antibiotika gegen Lippenherpes?

Ich nehme seit vielen Jahren gegen Lippenherpes erfolgreich Chloramphenicol. Ich weiß, dass die Salbe inzwischen vom Markt genommen wurde wegen Problemen im Zusammenhang mit weißen Blutkörperchen. Da mir Chloramphenicol hervorragend gegen Herpes hilft, nehme ich zurzeit ein Mittel aus der Veterinärmedizin. Verhalte ich mich richtig, oder kann es (nicht spürbare) Nebenwirkungen geben? F.M.

GPSP: Wie Sie selbst schreiben, handelt es sich bei Chlorampenicol um ein Antibiotikum. Herpes wird aber durch Viren ausgelöst, und Antibiotika sind bei Viren wirkungslos. Wenn Sie also eine Linderung verspüren, kann das viele Gründe haben. Aber es liegt nicht am antibiotischen Wirkstoff.

Dass Chloramphenicol in Deutschland nicht mehr als Arzneimittel für Menschen zugelassen ist (einzige Ausnahme: Augensalbe), hat gewichtige Gründe. Auch die haben Sie bereits genannt: die Gefahr einer lebensbedrohlichen Abnahme der weißen Blutkörperchen. Zwar passiert das sehr selten, aber selbst im Fall einer sinnvollen (!) Antibiotika-Behandlung gibt es Alternativen, die ein besseres Risiko-Schaden-Verhältnis haben als Chloramphenicol.
Veterinär-Arzneimittel werden speziell für Tiere entwickelt und sind nur für diese zugelassen. Sie handeln also mit hohem Risiko, wenn Sie diese bei sich anwenden.

Da man einen Herpesausbruch nicht verhindern kann, sollte man ein Präparat bevorzugen, das die Beschwerden lindert. Wir empfehlen zum Beispiel Salben oder Gels mit Zinksulfat (siehe GPSP 4/2008, S. 3). Die Heilung wird durch keines der zur Verfügung stehenden Herpesprodukte nennenswert beschleunigt. Wir können nur davon abraten, die virale Herpeserkrankung mit einem Antibiotikum zu behandeln.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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