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© Jakob Frey-Schaaber

Januskinase-Hemmer: Anwendung beschränkt

Entzündungshemmer für viele nur noch Mittel der letzten Wahl

Wegen Sicherheitsbedenken sollen nicht nur Tofacitinib, sondern auch weitere Wirkstoffe aus der gleichen Arzneimittel-Klasse bei Risikogruppen nur noch in Ausnahmefällen ­eingesetzt werden.

Die europäische Zulassungsbehörde EMA will die Anwendung von Januskinase-Hemmern stark einschränken. Der Hintergrund sind Sicherheitsbedenken, denn die Arzneimittel stehen im Verdacht, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutgerinnsel, Krebs und schwerwiegende Infektionen zu erhöhen.1

Bereits 2021 war die Zulassung des Januskinase-Hemmers Tofacitinib deutlich eingeschränkt worden, nachdem in Studien und laufenden Beobachtungen Risiken auffielen, die bis dahin unbekannt waren.

Im Februar 2022 war die Untersuchung auf andere zugelassene Wirkstoffe gegen entzündliche Erkrankungen aus der gleichen Arzneimittel-Klasse ausgeweitet worden (wir berichteten).2 Das betrifft neben Tofacitinib auch Abrocitinib, Filgotinib, Baricitinib und Upadacitinib. Sie sind für verschiedene Erkrankungen zugelassen, etwa Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, die Darmerkrankung Colitis ulcerosa oder schwere Neurodermitis.

Künftig sollen Januskinase-Hemmer bei Risikogruppen nur noch eingesetzt werden, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen. Zu diesen Gruppen gehören Menschen ab 65 Jahren, Patient:innen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Problemen, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, Raucher:innen oder bei einem erhöhten Krebsrisiko. Falls sie doch Januskinase-Hemmer einnehmen müssen, sollte die Dosis bei ihnen reduziert werden. Vorsicht ist bei der Anwendung auch geboten, wenn Risikofaktoren für Beinvenenthrombosen beziehungsweise Lungenembolien bestehen.

 

Entzündungshemmer: Viele riskant?

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2023 / S.23