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Schrottimplantate – und nun?

Über Hüftprothesen, die Beschwerden verschlimmern statt sie zu bessern oder versagende Herzschrittmacher, ist in den letzten Wochen viel berichtet worden. Doch was tun, wenn der Arzt oder die Ärztin ein Implantat empfiehlt?

Eins vorweg: Richtig eingesetzt können Implantate erhebliche Erleichterungen bringen und manchmal sogar Leben retten. Nur, was kann ich selbst tun, um mich vor schlechtem Material oder einem unnötigen Eingriff zu schüt­zen? Die Süddeutsche Zeitung, die wesentlich an der Aufdeckung des Skandals mitgewirkt hat, gibt einige Ratschläge.1

Die erste Frage ist: Brauche ich wirklich ein Implantat? Das ist längst nicht immer klar. Deshalb kann es sinnvoll sein, eine zusätzliche ärztliche Einschätzung einzuholen: Diese „zweite Meinung“ zahlt in aller Regel die Krankenkasse – und Sie können zum Beispiel Ihre Röntgenaufnahmen zum Arzt mitnehmen.

Der Eingriff sollte in einer spezialisierten Einrichtung stattfinden. Dort hat man die nötige Erfahrung und Routine. Wichtig ist auch zu wissen, ob das Implantat schon längere Zeit verwendet wird. Das macht es wahrscheinlicher, dass es nicht fehlerhaft ist. Und Sie sollten sich nicht scheuen, den Arzt zu fragen, ob er von dem Anbieter des Implantats Geld bekommt. Schließlich: Bestehen Sie auf der Ausstellung eines Implantatpasses.

Wenn Sie Probleme mit einem bereits eingesetzten Implantat haben, ist der ausführende Arzt oder die Krankenkasse Ihr An­sprech­partner.

Echten Schutz vor Schrottimplantaten können nur schärfere Gesetze bringen.2 Für Hochrisiko-Medizinprodukte müssten aussagekräftige klinische Studien vor einer Zulassung zwingend vorgeschrieben werden und die Ergebnisse öffentlich zugänglich sein. Nur so kann man sicher sein, dass ein Implantat den Patienten auch wirklich nützt.

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2019 / S.03