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Abnehmspritze: Information, die versteckte Werbung ist

Wie Lilly zum Medikamentengebrauch verlockt

Ob beim Ärztekongress, in einer Frauenzeitschrift oder an der Toilettentür eines Wiener Kaffeehauses, dieses Motiv fand sich an vielen Stellen. Nur das Firmenlogo deutet darauf hin, dass es sich um ein kommerzielles Angebot handelt. Der Hersteller Lilly bietet die Abnehmspritze Tirzepatid an.1 Eigentlich ist Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel verboten, deshalb wird der Name des Produkts nicht genannt. Die verknüpfte Webseite lässt aber keinen Zweifel daran, dass es hauptsächlich um die Abnehmspritze geht. In Deutschland kann man auf der Seite gleich einen Arzttermin buchen oder sich sogar per Fernbehandlung ein Rezept ausstellen lassen.

Werbeanzeige für die Abnehmspritze Tirzepatid vom Hersteller Lilly

  • Schiefes Bild Eine „biologische Resistenz“ gegen mehr Bewegung und Abnehmen gibt es nicht.
  • Direkter Weg zum Rezept Die Website bietet Fernbehandlung an.
  • Der Körper verhindert das Abnehmen? Das soll die Notwendigkeit für ein Medikament rechtfertigen.
  • „Biologische Resistenz“ verhindert Abnehmen? Eine clevere Erfindung des Firmen-Marketings.
  • Ist Adipositas eine Krankheit? Das kommt auf die Begleit­umstände an.2

Abnehmen ist schwierig. Sich dafür Unterstützung zu holen, kann hilfreich sein. Dass „eine biologische Resistenz“ das „Abnehmen verhindert“, ist allerdings irreführend. Weniger und anders Essen sowie mehr Bewegung sind der Schlüssel zum dauerhaften Gewichtsverlust.

Lilly fordert in der Werbung auf: „Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Behandlungsmöglichkeiten zur Gewichtsabnahme.“ Auf der Website findet sich ein „persönlicher Begleiter für das erste Arztgespräch“. Der empfiehlt Hartnäckigkeit, wenn keine Medikamente angeboten werden: „(…) wenn der Rat nur lautet: ‚Essen Sie weniger und bewegen Sie sich mehr‘ –, könnten Sie antworten: ‚Ich arbeite schon lange hart daran und würde mich freuen, wenn wir uns gemeinsam genauer anschauen könnten, was meinen Fortschritt bisher ausbremst.‘“ Führt auch das nicht zum Rezept, empfiehlt Lilly: „Auch eine zweite Meinung einzuholen ist völlig in Ordnung.“

Abnehmspritzen sind keine nachhaltige Lösung, denn die Pfunde kommen nach dem Absetzen schnell zurück.3 Tirzepatid reduziert vorüber­gehend das Gewicht, schützt aber nach gegenwärtigem Stand nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.4

 

Tirzepatid bei starkem Übergewicht

Wenn Dicksein zur Diagnose wird

Vom Beginn und Ende: Jo-Jo-Effekt mit der Abnehmspritze

Lex Lilly: Dubioser Deal um das Abnehmmittel Tirzepatid

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 03/2026 / S.27