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© Martin Wahlborg/ iStockphoto.com

Osteoporose: Brüchige Daten

Vergleiche zwischen den Medikamenten schwierig

Welcher Wirkstoff schützt nach den Wechseljahren am besten gegen Knochenbrüche? Ein neuer systematischer Vergleich brachte keine klaren Ergebnisse. Denn die Datenlage ist nach wie vor schlecht.

Bei gesicherter Osteoporose können Medikamente manchen Knochenbruch verhindern. Meist werden sogenannte Bisphosphonate verwendet, seltener Denosumab oder bei sehr hohem Risiko auch Teriparatid. Gibt es für Frauen nach den Wechseljahren Vor- oder Nachteile der einzelnen Substanzen?

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses ging das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) dieser Frage nach.1 In die Auswertung flossen mehrere Aspekte ein: Senken die Mittel die Sterblichkeit? Wie gut verringern die Medikamente Knochenbrüche an verschiedenen Stellen, Schmerzen und körperliche Einschränkungen? Verbessern sie die Lebensqualität? Kommt es häufiger zu Nebenwirkungen?

Wenige aussagekräftige Daten

Das IQWiG fand nur wenige direkte Vergleiche zwischen den Wirkstoffen. Deshalb musste das Gutachten auch auf indirekte Vergleiche zurückgreifen. Diese sind allerdings unzuverlässiger und unter anderem nur dann möglich, wenn die Patientinnen in den verschiedenen Studien eine ähnliche Schwere der Erkrankung haben. Außerdem erreichten längst nicht alle Studien die als notwendig erachtete Mindestdauer von zwei Jahren und waren schon deshalb nicht aussagekräftig. Weil diese Kriterien nur selten erfüllt waren, standen insgesamt nur wenige Daten zur Verfügung.

Ein Vergleich der verschiedenen Bisphosphonate untereinander war wegen fehlender geeigneter Untersuchungen kaum möglich. Bei Zoledronat waren beispielsweise in der einzigen geeigneten Studie mehrere für Patient:innen relevante Ergebnisse gar nicht erst gemessen worden. Der Hersteller von Risedronat stellte Daten zu sehr vielen Studien nur unvollständig zur Verfügung. Deshalb war keine verlässliche Bewertung des Wirkstoffs möglich. Denn das IQWiG erachtete die Gefahr, dass ungünstige Ergebnisse verschwiegen wurden, als zu groß.

Wirkstoffe im Vergleich

Bei den Bisphosphonaten fand sich nur für Alen­dronat und Ibandronat ein aussagekräftiger direkter Vergleich: Dabei zeigten sich weder bei der Häufigkeit von Knochenbrüchen noch bei den unerwünschten Wirkungen Unterschiede, die Wirkstoffe scheinen also gleichwertig.

Auch Risedronat konnte mit Teriparatid – das nur bei hohem Frakturrisiko verwendet werden darf – direkt verglichen werden. Dafür lagen ausreichende Daten vor: Mit Teriparatid traten nur symptomatische Wirbelkörperfrakturen seltener auf. Bei anderen Brüchen gab es keine messbaren Unterschiede. Magen-Darm-Beschwerden kamen bei Teriparatid geringfügig häufiger vor.

Für Denosumab zeigten sich im indirekten Vergleich zu Bisphosphonaten weder Vor- noch Nachteile.

Fazit

Im Gutachten stand der Vergleich der Substanzen untereinander im Vordergrund. Unterschiede in der Sterblichkeit wurden nicht gefunden und sonst boten die vorhandenen Studien wenig brauchbare Erkenntnisse über Vor- und Nachteile. Das Wissen zum Nutzen der verschiedenen Medikamente gegen Osteoporose bleibt also unbefriedigend.

Für Betroffene stellen sich jedoch auch noch weitere Fragen, zum Beispiel: Wann lohnt sich die Einnahme eines Medikaments zum Schutz vor Knochenbrüchen? Weil der Nutzen unter anderem von dem persönlichen Risiko abhängt, sollten Sie die Frage mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin individuell abwägen.

Wie lange die Behandlung mit den Medikamenten am besten dauern sollte, ist unklar. Möglicherweise bringt es keine Vorteile, die Mittel länger als drei bis vier Jahre einzunehmen. Mit einer längeren Behandlung steigt das Risiko für unerwünschte Wirkungen, auch für Knochenbrüche.3 In manchen Studien mit Denosumab wurde beobachtet, dass die Knochendichte bei Menschen, die das Mittel wieder abgesetzt hatten, stark abnahm und das Risiko für Brüche stieg.4,5 Teriparatid darf wegen des möglichen Risikos von Knochentumoren sowieso nur maximal zwei Jahre lang angewendet werden.6

Bisphosphonate und Denosumab können in seltenen Fällen den Kieferknochen schädigen. Deshalb sind gute Zahnhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig. Zahnsanierungen sollten vor Beginn der Osteoporose-Behandlung abgeschlossen sein.3
Eine gute erste Orientierung über Vor- und Nachteile von Medikamenten zur Vorbeugung von Knochenbrüchen bietet gesundheitsinformation.de.2

Sicher ist: Die schützenden Effekte der Medikamente sind eher gering. Die Tipps, die GPSP vor über zehn Jahren gab, bleiben deshalb wichtig: Körperliche Bewegung bremst den Knochenabbau, Rauchstopp und kalziumreiche Ernährung nützen ebenfalls. Und: Wer nicht stürzt, hat ein geringeres Bruchrisiko. Gleichgewichtstraining und die Beseitigung von Stolperschwellen in der Wohnung können also ebenfalls helfen.7

Osteoporose

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 02/2023 / S.07