Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2010 / 01 S. 09a
Kurz und knapp:
Demenz:
Ginkgo biloba hilft nicht
Es ist nicht neu, aber es kann nicht oft genug betont werden: Studien, die die Wirksamkeit von Ginkgo-Präparaten auf Entstehung und Verlauf von Demenzerkrankungen untersuchen, finden keinen Nutzen.8 Da können die Blätter des schönen Baumes noch so sehr an die Gestalt unseres Gehirns mit seinen zwei Hemisphären erinnern.
Eine neue Studie von hoher Qualität bestätigt das Versagen der Behandlung, für die viele Menschen aus Angst vor zunehmender Vergesslichkeit im Alter rund 50 Euro im Monat ausgeben. Und was ergab die Studie: Von etwa 1500 Menschen, die das Präparat (Ginkgo biloba EG b 761) einnahmen, entwickelten 277 eine Demenz, von etwa 1500 Menschen, die ein Placebo einnahmen, waren es nur 246.9
Da schneidet das Scheinmedikament zahlenmäßig sogar etwas besser ab! Auch neuropsychologische Tests, mit denen Wissenschaftler nach kleineren Effekten des Präparats gesucht hatten und die es ermöglichten, das Fortschreiten der Vergesslichkeit im Alter zu erfassen, verliefen enttäuschend: „Wir fanden keine Evidenz für einen Effekt von Ginkgo biloba auf die allgemeinen kognitiven Veränderungen und keine Evidenz für einen Effekt auf spezifische kognitive Gedächtnisfunktionen,“ schreiben die Autoren.10
Mit anderen Worten, weder die räumliche Orientierung noch Sprachvermögen, Aufmerksamkeit, psychomotorische Geschwindigkeit und Verstandesleistungen entwickelten sich bei den Senioren und Seniorinnen, die den Ginkgo-biloba-Extrakt einnahmen, im Verlauf der sechs Studienjahre günstiger als bei denjenigen, die ein reines Placebo einnahmen. Wer zu Beginn der Untersuchung höchstens von leichter Vergesslichkeit beeinträchtigt war, profitierte demnach nicht von einer vorbeugenden Versorgung mit Ginkgo biloba.
Quellen
1 GPSP 6/2008: Seite 11
2 Abbott Deutschland: Presseinformation vom 21. Jan. 2010
www.abbott.de/content/e17/e127/e15940/index_de.html
3 Der Arzneimittelbrief 2009, 43, 11: 85
4 BMJ 2009, 339: b2525
5 BfR-Pressedienst 21.10.2009
6 Verbraucherinfo 2009: Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern
www.bfr.bund.de/cm/238/risiko_vergiftungsunfaelle_bi_kindern.pdf
7 www.medpex.de/versandapotheke/pressemitteilung/
textil-filialist-nkd-und-versandapotheke-medpex-kooperieren/
8 Arzneiverordnung in der Praxis 2009, 36, 6: 149
9 JAMA 2008, 300: 2253-2262 (und Erratum S. 2730, gleiches Heft)
10 JAMA 2009, 302: 2663-2670
11 www.worstpills.org (Dez. 2009)
12 Die BUKO Pharma-Kampagne ist Herausgeberin des Pharma-Brief und
hat Gute Pillen – Schlechte Pillen mitgegründet.
Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.
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