Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 05 S. 14b

Kurz und knapp:

Ärzte: Im Dienst der Pharmaindustrie?

#109276799 © Andrey Popov – fotolia.com
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Sicher haben Sie davon gehört, dass die Pharmaindustrie 2015 allein in Deutschland über eine halbe Milliarde Euro an Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser verteilt hat. Das geht aus einer überfälligen, und nicht ganz freiwilligen, Selbstauskunft von 54 Konzernen hervor.3 Etwa 6.200 medizinische Organisationen wie etwa Fachgesellschaften oder Agenturen für Kongresse profitierten ebenfalls vom Sponsoring durch die Pharmaindustrie. Das Problem: Wer Geld gibt, nimmt Einfluss und kann sein Kapital gegebenenfalls wieder abziehen.

Mindestens 71.000 Ärzte und Ärztinnen haben Zahlungen von Arzneimittel­firmen angenommen, etwa Reisekosten zu einem Kon­gress, Vortragshonorare oder Aufwandsentschädigungen für meist überflüssige Anwendungsbeobachtungen (GPSP 4/2015, S. 13). Und die große Frage war plötzlich: wer und wie viel?

Das Recherchebüro Correctiv hat sich die Mühe gemacht, die Datensätze so aufzubereiten, dass jeder per Postleitzahl nach Ärzten in seiner Region suchen kann, die Zahlungen erhalten haben.4 Das können 175 Euro sein, aber auch über 200.000 Euro im Jahr. Noch sind diese Daten höchst unvollständig, denn 71 % der Ärzte und Ärztinnen verweigerten die Veröffentlichung der monetären Zuwendungen. Das kann verschiedene Gründe haben, aber leider glauben zu viele Personen im Gesundheitswesen noch immer, dass sie selbst nicht beeinflussbar sind.5 Höchstens die anderen …

3 www.vfa.de/de/verband-mitglieder/transparenzkodex-der-pharmaindustrie
4 https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank
5 Boytchev H (2016) Keiner ist so nett wie der Pharmareferent. Correctiv, 26. Juli

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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