Zum Inhalt springen
© AnVR iStock

Herzschwäche: Wie viel Salz darf’s sein?

Kein Nutzen einer besonders salzarmen Ernährung

Speisesalz hat einen schlechten Ruf, wenn es um Herz-Kreislauf-Krankheiten geht. Tatsächlich sollte der Salzkonsum nicht zu hoch sein. Eine extrem salzarme Ernährung bringt Menschen mit Herzinsuffizienz aber keinen Vorteil.

Die meisten Menschen essen mehr Salz als Fachleute empfehlen. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung sollten es nicht mehr als 6 Gramm Speisesalz pro Tag – das ist etwa ein Teelöffel voll – sein. Denn zu viel Salz kann den Blutdruck und das Risiko für Bluthochdruck erhöhen. Bluthochdruck wiederum ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten.1

Bei Menschen mit Herzschwäche hielten Mediziner:innen es früher für plausibel, durch eine noch stärker verringerte Salzzufuhr eine Flüssigkeitsüberlastung und deren nachteilige Folgen zu verhindern. Die Frage, ob das tatsächlich Vorteile – oder gar Nachteile – für die Patient:innen bringt, konnten klinische Studien bislang nicht eindeutig beantworten. Deshalb führte ein internationales Forscherteam eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie durch – die bisher größte zu dieser Frage.2

Das Team untersuchte, ob eine Verringerung der Salzzufuhr seltener zu Klinikeinweisungen oder Todesfällen führt. Dazu teilte es die im Mittel 66- bis 67-jährigen Patient:innen mit medikamentös behandelter Herz­insuffizienz zufällig in zwei Grup­pen ein: eine Interventionsgruppe mit streng salzreduzierter Ernährung mit weniger als 3,75 Gramm Salz pro Tag, Schulung und Mahlzeitenplänen sowie eine Kontrollgruppe mit üblicher Therapie und allgemeinen Ratschlägen zum Salzkonsum.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Salzzufuhr ausgehend von einem bereits niedrigen Niveau vermutlich keinen Einfluss auf eine chronische Herzinsuffizienz hat. Weil sich das bereits frühzeitig abzeichnete, wurden nicht wie ursprünglich geplant rund 1.000 Patient:innen untersucht, sondern nur gut 800.

Kritisch zu dieser Studie anzumerken ist, dass der Unterschied der täglichen Salzzufuhr mit im Mittel 4,1 Gramm in der Interventionsgruppe und 5,1 Gramm in der Kontrollgruppe gering war. Außerdem ist diese Höhe der Salzzufuhr in beiden Studiengruppen deutlich niedriger als die mittlere Zufuhr hierzulande. So ist es unklar, ob sich die Ergebnisse tatsächlich auf die Behandlung in Deutschland übertragen lassen. Ob Menschen mit Herzschwäche, die sehr viel Salz zu sich nehmen, von einem verringerten Salzkonsum profitieren, bleibt offen.3

Fazit

Patient:innen mit Herzinsuffizienz sollten einen hohen Salzkonsum zwar senken, aber wohl nicht weiter als auf 6 Gramm pro Tag. Eine stärkere Einschränkung bringt wahrscheinlich keine Vorteile.4

 

Wie es der Zufall will: Was Vergleiche fair macht

 

PDF-Download

– Gute Pillen – Schlechte Pillen 06/2022 / S.26