Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 02 S. 18

Glosse:

Top präpariert

Wer Sport macht, muss richtig präpariert sein. Ist doch klar. Das fängt mit dem Abo im topgetesteten Fitnesscenter und den richtigen Klamotten an. Die sollen nicht nur funktional sein, sondern auch gleich ein Auge auf den Trainingseifer werfen. Genug gelaufen? Ausreichend Kalorien verbrannt? Den Puls schön hochgetrieben? Das misst die Sportuhr, das Handy oder das Fitnessarmband. Ist doch praktisch.

Noch besser sind die neuen Textilien. Welche Fitnessverliebte kommt demnächst noch ohne diesen intelligenten BH aus, der bei der größten Sportmesse der Welt kürzlich für Aufregung sorgte? Das Ding ist nicht nur anschmiegsam, sondern die eingewebten feinen Elektroden registrieren das, was Sporttreibende so wissen wollen … zum Beispiel die Herz- und Atemfrequenz inklusive der vollbrachten Anstrengung. Und waschbar ist das Ding auch.

Natürlich bleiben all die Daten nicht im BH stecken, sondern fluppen ans Smartphone und lassen sich dann richtig analysieren. Das ist doch wichtig, dass man den Fortschritt in Zahlen fassen kann. Wo sind wir denn, dass es noch reicht, sich nach dem Dauerlauf im Wald super zu fühlen – durchgelüftet und voll Tatendrang. Die Zeiten von Waldlauf und schlichter Kniebeuge sind Geschichte!

Das zeigt schon die Ernährung des Sportlers und der Sportlerin: Heute mit Proteinriegel oder Proteinpulver, sogar vegan, und womöglich mit Prüfsiegel der Kölner Liste. Früher kam nach dem Sport eine Boulette – oder eine andere Kalorienbombe – zusätzlich auf den Teller. Heute gibt’s den schmackhaften Hochleistungstrunk mit Magnesium. Früher musste das Leitungswasser aus der Buddel oder dem Wasserhahn reichen. Barbarisch!
Und das kann ja nix werden: Die Leistungskurve flach, der Muskelkater vorprogrammiert. Oder?

Daniel König, Leiter der Abteilung Ernährung am Sportinstitut der Universität Freiburg, findet, dass Breitensportler eine ausgewogene, aber keine Sonderernährung brauchen. Sollen wir das glauben? Er behauptet sogar: „So ist etwa der mehrmalige Hamburger Marathon-Meister Steffen Benecke nur mit Saftschorle, stillem Wasser und gezuckertem Tee als Erster durchs Ziel gelaufen.“ 1
Naja, Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.


1    Burger K (2012) Mit Schorle zu Sieg, Süddeutsche Zeitung 6.8.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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Titelbild dieser Ausgabe


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