Zum Inhalt springen
© Kenan Olgun/iStock

Gesundheitsberichte in den Medien: Glaubwürdig?

Neue Serie zur Medizin-Berichterstattung mit dem Medien-Doktor

Kann ich dem Artikel oder Blogbeitrag zu einem Gesundheitsthema trauen? Das ist für viele schwer einzuschätzen. In einer neuen Serie stellt das Team des Medien-Doktors von der TU Dortmund wichtige Kriterien für die Bewertung vor.

Sterne, überall Sterne! Vergeben werden sie in Online-Shops oder sogar bei Bahnhofstoiletten – und immer muss man sich fragen: Sind die Bewertenden überhaupt kompetent genug, um die Qualität zu beurteilen? Welche Kriterien wurden dabei angelegt? Das Portal Medien-Doktor, das regelmäßig Medienberichte zu Gesundheitsthemen bewertet, vergibt ebenfalls Sterne – und liefert hilfreiche Qualitätskriterien für alle.

Kritischer Blick in die Medien

Wem oder was kann ich überhaupt glauben? Bei Gesundheitsthemen ist das oft besonders schwierig. Zum Glück gibt es Auswege aus dem Dilemma – und zumindest erste Antworten, etwa das Vertrauen in eine Medienmarke: Wer die Erfahrung gemacht hat, dass Fakten in GPSP in der Regel stimmen, wird sich wohl weiterhin auf das Magazin verlassen.

Andere Auswege sind einzelne Kriterien (quasi „Indizien“) für gute Qualität eines Beitrags, die auch für Menschen ohne fachlichen oder journalistischen Hintergrund nachvollziehbar sind. Zum Teil haben sich Redaktionen selbst entsprechende handwerkliche Standards gesetzt, einige solcher Kriterien sind Bestandteil des Pressekodex oder aus rechtlichen Rahmenbedingungen zur Aufgabe der Medien abgeleitet. Vor diesem Hintergrund lassen sich also zumindest Anhaltspunkte finden, ob eine Berichterstattung etwas taugt.

Was hilft Leser:innen?

Für Berichte über Medizinthemen wurden außerdem spezielle Qualitätskriterien entwickelt, zunächst in Australien und den USA. Im Projekt Medien-Doktor haben wir am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus an der Technischen Universität Dortmund diese internationalen Kriterien erprobt und weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Patient:innen oder Angehörige über eine Therapie oder ein Diagnose-Verfahren wissen müssen, um eine informierte Entscheidung zu treffen. Im Projekt werden Medienbeiträge anhand dieser Kriterien von zwei Medizinjournalist:innen begutachtet. Die Ergebnisse dieses journalistischen „Peer Reviews“ werden dann Kriterium für Kriterium auf der Webseite dokumentiert. Das soll Leser:innen unterstützen, aber auch Redaktionen helfen, ihre Berichterstattung zu verbessern.

Auch für Social Media nützlich

Bekanntlich verbreiten sich Nachrichten zu Gesundheitsthemen aber längst nicht mehr nur über journalistische Medien. Manchmal teilen etwa Onkel oder Tante in der Familiengruppe einen Blogbeitrag zu einem vermeintlichen Wundermittel. Meist ist dann nicht einmal mehr erkennbar, ob dahinter eine eher vertrauenswürdige Medienmarke steckt oder nicht. Und auch eine redaktionelle Qualitätskontrolle – trotz Schwächen ein Mehrwert des traditionellen Journalismus – hat der Blog­beitrag eines Unbekannten nicht durchlaufen. Ob die Inhalte verlässlich sind, müssen daher allzu oft die Leser:innen allein einschätzen. Helfen können dann genau jene Kriterien, die sorgfältige Redaktionen für Beiträge zu Gesundheitsthemen nutzen.

Diese Maßstäbe wollen wir Ihnen näherbringen. Vom Umgang mit „Belegen“, „Risiken und Nebenwirkungen“ bis hin zu „Interessenkonflikten“ finden Sie ab dem nächsten Heft von GPSP wichtige Tipps, wie Sie Nachrichten zu Medizin und Gesundheit selbst bewerten können. Ob Sie danach Ihre persönlichen Sterne für Medienbeiträge vergeben, bleibt natürlich Ihnen überlassen.

Der Medien-Doktor bekommt derzeit finanzielle Förderung durch den Innovationsfonds der Wissenschaftspressekonferenz, die Stiftung Experimentelle Biomedizin sowie den Wort&Bild-Verlag.

 

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass …

PDF-Download

– Gute Pillen – Schlechte Pillen 06/2023 / S.23