Ein kleiner Pieks gegen das große Vergessen?
Mit vermeintlicher Demenzprävention Kasse mache
Die Schlagzeile „Gürtelrose-Impfung könnte Demenzrisiko senken“ wird dieser Tage ganz ernsthaft selbst in Fachforen diskutiert.1 Was bislang als Schutz gegen einen schmerzhaften Ausschlag bekannt ist, der durch Herpes Zoster entsteht, wird nun zur kognitiven Wunderwaffe erklärt. Ganz nach dem Motto: Mit falschen Hoffnungen erreicht man verängstigte Menschen am besten.
Natürlich ist alles noch „nicht ganz bewiesen“, „komplex“ und „Gegenstand aktueller Forschung“. Aber das hält im Zweifel niemanden auf. Denn das Rezept ist in der Tat bestechend: Man bekämpft ein Virus und – ganz nebenbei – schützt man das Denkorgan. Endlich lässt sich Prävention verkaufen, ohne dass jemand joggen, weniger Alkohol trinken oder gar abnehmen muss.2,3 Keine Lebensstiländerung, keine Selbstdisziplin ist notwendig – nur ein kurzer Pieks, und die PIN der EC-Karte lässt sich mühelos bis zum Schluss merken.
Da kann der Unterschied zwischen zufälligen und ursächlichen Zusammenhängen schon mal unter den Tisch fallen. Das dürfte hingegen kein Zufall sein. Denn damit eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten: Endlich Impf-Nebenwirkungen als lukratives Geschäftsmodell! Warum bei Gürtelrose aufhören? Vielleicht bekämpft ja die Grippeimpfung nebenbei Entscheidungsschwäche, eine Masern-Auffrischung merzt Cholerik aus? Wer weiß?
Wenn wir das wirklich wissen wollen, helfen allein gut geplante, verblindete vergleichende Studien. Sie stellen gesichertes Wissen ungebändigten Hoffnungen entgegen.4 Und entlarven – ganz nebenbei – unethische Geschäftsmodelle.
Stand: 19. Februar 2026 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 02/2026 / S.28