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© Animaflora/iStock

Bronchipret bei Husten?

Was die Mittel bei Erkältung wirklich bringen

Erkältungen sind zwar nicht gefährlich, aber lästig. Deshalb greifen einige Menschen gern zu Medikamenten, die eine Hilfe gegen die Symptome versprechen.

Bei vielen dieser Mittel fehlen jedoch aussagekräftige Belege, dass sie bei Erkältungen wirklich helfen. Wenn es Studien gibt, inszenieren Hersteller sie gern in ihrer Werbung. Ein Beispiel: Die Firma Bionorica, die unter dem Markennamen Bronchipret verschiedene Arzneimittel vertreibt, weist in der Werbung auf „ausgezeichnete Studienergebnisse“ hin. Aber was steckt tatsächlich dahinter? Das hat sich das arznei-telegramm einmal näher angesehen.1

Was bringen Efeu, Thymian, Primel?

Zu den so beworbenen Präparaten gehören Saft und Tropfen, die Flüssigextrakte aus Thymiankraut und Efeublättern enthalten. Hinzu kommen Tabletten mit Extrakten des Thymiankrauts und der Primelwurzel. Alle Präparate sollen die Beschwerden bei Bronchitis und Erkältungen mit Husten und zähflüssigem Schleim lindern.

Die Kombinationen Thymian-Efeu und Thymian-Primel wurden in zwei herstellergesponsorten Studien mit jeweils knapp 400 Teilnehmenden untersucht. Beide Studien ähnelten einander: Mitmachen durften Patient:innen, die seit höchstens zwei Tagen an einer akuten Bronchitis litten, ihren Schleim nur schwer abhusten konnten und mindestens zehn Hustenanfälle pro Tag hatten. Nicht teilnehmen durften Personen, die zusätzlich Fieber, eine Lungenentzündung oder chronische Lungenerkrankungen hatten.

Die Testpersonen wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe nahm dreimal pro Tag den pflanzlichen Efeu-Thymian-Saft bzw. die Thymian-Primel-Tabletten ein. Die andere Gruppe bekam ein Scheinmedikament, das sich in Aussehen und Geschmack angeblich nicht unterschied. Wie häufig die Patient:innen während der Studiendauer von elf Tagen Hustenanfälle hatten, erfassten sie selbst mit einem manuellen Zähler.

Erst nach Tagen ein Effekt

Das Ergebnis: Im Verlauf der Studie mussten die Testpersonen deutlich weniger husten, unabhängig davon, ob sie die Präparate oder ein Placebo einnahmen. Ein Unterschied zwischen dem Scheinmedikament und den Extrakt-Kombinationen zeigte sich erst nach mehreren Tagen. Nach sieben bis neun Tagen hatten Patient:innen, die den Thymian-Efeu-Saft eingenommen hatten, fünf Hustenanfälle pro Tag weniger als diejenigen, die nur Placebo bekamen. Bei den Thymian-Primel-Tabletten waren es nach sieben bis neun Tagen vier Hustenanfälle weniger. Nebenwirkungen waren sowohl mit Placebo als auch mit den Extrakten ähnlich häufig. Die Produktinformationen führen Magen-Darm-Beschwerden und Überempfindlichkeitsreaktionen als mögliche unerwünschte Effekte auf.

Was offen bleibt

Rechnerisch wurden also nach einigen Tagen die Hustenanfälle durch die pflanzlichen Mittel seltener. Macht es für Betroffene aber einen Unterschied, ob sie nach einer guten Woche Erkältung pro Tag 8- bis 9-mal oder 13- bis 14-mal husten müssen? Einigen dürfte das egal sein.

Eine wichtige Frage bleibt bei den Studien ungeklärt: Könnten die Teilnehmenden erkannt haben, ob sie den echten Hustensaft oder
die Scheinbehandlung bekommen? Den Geschmack eines Saftes mit Pflanzenextrakten zu imitieren, dürfte schwierig sein. Sollte die Scheintherapie aufgefallen sein, könnte dies beeinflusst haben, wie die Teilnehmenden ihre Hustenanfälle dokumentiert haben. Das könnte die Studienergebnisse verzerren.

Lohnt die Investition?

Erkältungspräparate für Erwachsene bezahlen die gesetzlichen Krankenversicherungen nicht. Laut Liste kostet diese Hustentherapie täglich zwischen 1,46 € und 1,80 €, die Preise in den Apotheken können abweichen. Ob der Preis den relativ kleinen Nutzen rechtfertigt, müssen Betroffene selbst entscheiden.

Wann in die Praxis?

Wichtig zu wissen: Bei Virus-bedingten unkomplizierten Atemwegsinfekten verschwinden die Beschwerden von selbst – unabhängig davon, ob man mit Arzneimitteln nachhilft oder nicht. Bis ein unproblematischer Erkältungshusten ganz abgeheilt ist, können aber auch mal drei Wochen vergehen, ohne dass man sich Sorgen machen muss.

Ärztlicher Rat ist immer dann sinnvoll, wenn die Beschwerden sehr stark sind, zunehmen oder mit Fieber verbunden sind: etwa bei anhaltend starken Halsschmerzen und eitrigen Gaumenmandeln, einer hartnäckig verstopften Nase und starken Kopfschmerzen im Bereich der Stirnhöhle, starken Ohrenschmerzen und schlechtem Hören, Brustschmerzen und Problemen beim Luftholen.2

 

Wenn der Husten quält

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2023 / S.06