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©tolgart_iStock

Blutschwämmchen bei Babys: Hilft Laser-Behandlung?

Bilden sich ungefährliche Blutschwämmchen von Neugeborenen schneller zurück, wenn sie mit einem Farbstoff-Laser behandelt werden? Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes hat die Methode erneut bewertet. Das kam dabei heraus.

Blutschwämmchen, in der Fachsprache Hämangiome, sind gutartige Veränderungen der kleinen Blutgefäße der Haut. Sie treten bei etwa vier bis zehn Prozent der Babys in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt auf, bei Frühgeborenen etwas häufiger. Die meisten Blutschwämmchen sind unkompliziert: Sie wachsen im ersten Lebensjahr und bilden sich dann von selbst wieder zurück. Bei etwa 60 Prozent der Kinder sind die Hämangiome bis zum vierten Lebensjahr vollständig verschwunden.1 Nur wenn Blutschwämmchen sehr schnell oder an ungünstigen Stellen wachsen, sodass sie Sehen, Atmen oder Essen behindern, müssen sie behandelt werden. Dann gilt der Wirkstoff Propranolol als Mittel der ersten Wahl.

Oft bieten Hautarztpraxen Eltern dennoch an, aus kosmetischen Gründen auch unkomplizierte Blutschwämmchen beim Kind mit einer Laser-Behandlung entfernen zu lassen. Der Laser verschließt die kleinen Gefäße, sodass das Blutschwämmchen nicht mehr durchblutet wird und sich zurückbildet. Dabei handelt es sich in der Regel um eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), und die müssen Eltern aus eigener Tasche zahlen. Zur Anwendung kommt meist ein sogenannter Farbstoff-Laser, bei dem die Energie nicht tief ins Gewebe eindringt. Die Einzelbehandlung kostet in der Regel, je nach Größe der zu behandelnden Hautregion, zwischen 45 und 165 Euro. Häufig sind jedoch mehrere Sitzungen notwendig.

Laser schaden höchstens

Der Bewertung des IGeL-Monitors zufolge kann man sich diese Kosten getrost sparen. Das Team analysierte Studien, in denen Babys mit ungefährlichen Blutschwämmchen nach dem Zufallsprinzip auf Vergleichsgruppen verteilt wurden: Die eine Gruppe bekam eine Laser-Behandlung, die andere wurde nicht behandelt, sondern nur weiter beobachtet. Das Ergebnis: Bei der Laser-Behandlung bildeten sich in der Gesamtschau die Blutschwämmchen nicht schneller zurück als ohne Behandlung. Zwar erschienen am Ende der Studie die behandelten Blutschwämmchen etwas weniger rot als die nichtbehandelten. Das spricht nach Einschätzung des IGeL-Monitors aber nicht für einen eindeutigen Vorteil der Laser-Behandlung.

Vielmehr wurden nach der Laser-Behandlung unerwünschte Veränderungen entdeckt: Bei über einem Viertel der behandelten Kinder gab es Anzeichen einer Gewebeschädigung, die Haut erschien an der behandelten Stelle ausgedünnt. Bei den Nichtbehandelten waren es dagegen keine zehn Prozent. Zudem war die Haut bei knapp der Hälfte der behandelten Kinder heller als die Umgebungshaut, während sie sich ohne Behandlung nur bei jedem sechsten Kind aufhellte.

Weil seit der ersten Bewertung der Laser-Behandlung von Blutschwämmchen im Jahr 2015 keine neuen relevanten Studien hinzugekommen sind, lautet das Urteil des IGeL-Monitors damals wie heute „tendenziell negativ“.

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2023 / S.18