16. Januar 2017

Kein harmloses Säftchen

Vorsicht bei Erkältungssirups wie WICK MediNait®

Winterzeit – Erkältungszeit! Viele Erwachsene, die es erwischt hat, versuchen Husten, Schnupfen und Heiserkeit mit frei verkäuflichen Mitteln in den Griff zu bekommen. Dazu gehören auch Erkältungssirups. Solche Präparate mit mehreren Wirkstoffen gibt es viele. Einzigartig ist die Wirkstoffkombination in WICK MediNait®. Die Werbung verspricht, vier bestimmte Beschwerden über Nacht loswerden zu können. Doch Vorsicht: Die in Alkohol gemixten Wirkstoffe können üble Nebenwirkungen haben. Gute Pillen – Schlechte Pillen bespricht, wann besondere Vorsicht geboten ist und nennt Alternativen.

Der WICK MediNait® -Hersteller selbst weist im Beipackzettel darauf hin, dass das Mittel nur angewendet werden darf, wenn sämtliche Symptome (Fieber, Schmerzen in Kopf, Gliedern oder Hals, Schnupfen, Reizhusten) gleichzeitig im behandlungsbedürftigen Ausmaß vorhanden sind. Viele Erkältungskranke greifen nach diesem Produkt, denn dem Versprechen auf eine Linderung befürchteter oder vorhandener Symptome und eine erholsame Nacht können Schniefnasen schwerlich widerstehen. WICK MediNait®  enthält das fiebersenkende Schmerzmittel Paracetamol, den Hustenstiller Dextromethorphan, und Ephedrin, das die Blutgefäße verengt und also im Nasenraum abschwellend wirkt. Hinzu kommt der antiallergische Histamin-Blocker Doxylamin, der müde macht. Das Ganze ist gelöst in 18%igem Alkohol: Die empfohlene abendliche Dosis (30 ml) entspricht ungefähr einem halben kleinen Glas Bier oder Wein.

GPSP-Experte Professor Bernd Mühlbauer weist nachdrücklich darauf hin, „dass dieser Sirup für manche Menschen richtig gefährlich werden kann – etwa bei Bluthochdruck, Herz- und Schilddrüsenerkrankungen, Atemwegserkrankungen oder für Personen mit Grünem Star; Nieren- oder Leberschäden und auch bei vergrößerter Prostata. Für Menschen, die wegen einer Depression bestimmte Medikamente nehmen oder bis vor Kurzem genommen haben, kann das Mittel sogar lebensgefährlich werden und ist daher absolut tabu“.

GPSP-Tipp: Lästige Beschwerden lassen sich bei ansonsten gesunden Erwachsenen besser gezielt mit Einzelwirkstoffen bekämpfen.

Verstopfte Nase: Hier eignen sich abschwellende Tropfen oder Sprays aus der Apotheke. Sie helfen – über wenige Tage genommen! – schnell und man kann besser schlafen. Eine Dauerlösung sind solche Präparate nicht.

Fieber und Schmerzen: Geeignet ist Paracetamol oder ASS (Acetylsalicylsäure) nach Packungsvorschrift. Wichtig: Tabletten niemals zusammen mit Alkohol einnehmen, dass kann gerade bei Paracetamol die Leber besonders belasten.

Hustenstillende Tabletten oder Tropfen sollten Sie nur in Ausnahmefällen einnehmen, und das nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Und: Husten klingt in der Regel spätestens nach drei Wochen von alleine ab.

Mehr zum WICK MediNait® Erkältungssirup und seinen möglichen Gefahren finden Abonnenten und Abonnentinnen im Originalartikel der Ausgabe GPSP 1/2017: http://gutepillen-schlechtepillen.de/wick-medinait-erkaeltungssirup/



  • Bunte Überraschungen

    Wenn der Urin plötzlich rot oder braun aussieht, kann das einen schon ziemlich erschrecken. Es ist aber manchmal harmlos, denn bestimmte Arzneimittel oder Nahrungsmittel können die schlichte Erklärung dafür sein.

  • Gute alte Pillen:

    Ibuprofen ist hierzulande einer der meistverschriebenen Wirkstoffe gegen Schmerz und Entzündung. In rezeptfreien Versionen ist er sogar der meistverkaufte. Ein guter Grund, den Stoff in der GPSP-Serie

  • Mehr unverzerrtes Wissen

    Als Patient erwartet man von seinem Arzt oder seiner Ärztin, dass sie auf dem aktuellen Wissensstand sind. Deshalb müssen sie sich regelmäßig fortbilden. Viele medizinische Fortbildungsveranstaltungen sind allerdings

  • Zugelassene Mittel nicht immer wirksam

    Pflanzliche und homöopathische Medikamente sind in einigen Verbraucherkreisen sehr beliebt, gelten sie doch als wirksame und „sanfte“ Mittel. Schonend ist aber vor allem der Umgang der Zulassungsbehörden mit diesen

  • Glosse:

    Das ist doch mal eine supergute Nachricht in Sachen Gesundheitsinformation: Unser aller Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also das BfArM, „ist ab heute mit eigenem Kanal bei Twitter aktiv“.

  • Schlank mit Bockshornklee

    Bockshornklee wird allerhand Gutes nachgesagt. Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen unbegrenzt. So soll dieses Kraut auch bestens für Gewichtsreduktion geeignet sein. Gute Pillen – Schlechte Pillen sieht dafür keine wissenschaftliche Grundlage.

GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Ausgabe 2017/02




Geschenk-Abo

GPSP_Geschenk-Abo_2015-300px

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: Spendenportal.de