Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2015 / 02 S. 15a

Kurz und knapp:

Q-Fieber durch Frischzellen

Frischzellen werden aus fein zerkleinerten Organen und Geweben von Schafen und Föten gewonnen. Sie sollen angeblich vor diversen Alters- und Verschleißerkrankungen schützen. Dazu werden sie aufbereitet und anschließend in den Gesäßmuskel injiziert. Solche abenteuerlichen Frischzellen-Therapien sind seit 1931 Usus, aber immer noch ohne überzeugende Nutzenbelege. Das Bundesgesundheitsamt warnte bereits 1994 vor Gesundheitsrisiken.6 Denn Erkrankungen des Spendertieres können leicht auf Menschen übertragen werden. Lediglich der Handel mit Frischzellen wurde verboten, die direkte Anwendung des von einem Arzt selbst hergestellten Präparats aber nicht, da der Bund hier keine Gesetzgebungskompetenz hatte.7 Für die Überwachung und ggf. ein Verbot wegen der Gesundheitsrisiken sind die Landesbehörden zuständig, die waren damit bislang aber offensichtlich überfordert.

Insofern hat ein Bericht der kanadischen (!) Gesundheitsbehörde an die deutschen Stellen womöglich einen Stein ins Rollen gebracht: Eine Kanadierin war nach einer Frischzellentherapie in Rheinland-Pfalz schwer an Q-Fieber erkrankt. (Die Infektion durch das Bakterium Coxiella burnetii kann Lunge, Leber und Herz schädigen.) Wenig später erreichte der Bericht eines Münchener Arztes die zuständigen deutschen Behörden: Q-Fieber nach einer Frischzellentherapie – ebenfalls in Rheinland-Pfalz. Beide Frauen hatten Glück und haben das Q-Fieber überstanden. In Deutschland kam es 2014 in der Nähe von Schaftierhaltungen bei Anwohnern mehrfach zu Q-Fieberinfektionen, die auch bei den Tieren nachgewiesen wurden. Manche von ihnen waren Spendertiere für Frischzellen …


Quelle
6    Bundesrat (1997) Frischzellen-Verord­nung. Drucksache 38/97, 15. Jan.
7    Schreiben des PEI an GPSP 18.2.2015

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