Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2006 / 06 S. 08

Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet

Oft riskant für die Gesundheit

Wer Nahrungsergänzungsmittel über das Internet kauft, geht ein hohes Gesundheitsrisiko ein.1 Sie können bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, die nicht deklariert sind. Das tatsächliche Ausmaß solcher betrügerischen Angebote ist nicht überschaubar.

Die Beimischung eines stark wirkenden Arzneimittels in ein als pflanzlich bezeichnetes Nahrungsergänzungsmittel ist ein schwerwiegender und gesundheitsgefährdender Betrug. In nebenstehender Tabelle haben wir Meldungen zu Verunreinigungen und Verfälschungen von meist als harmlos dargestellten Produkten zusammengefasst.2,3,4,5 Dabei handelt es sich mit Sicherheit nur um die Spitze des Eisbergs. Die den Nahrungsergänzungsmitteln heimlich beigemischten stark wirkenden und zudem verschreibungspflichtigen Substanzen können sogar höher dosiert sein als in Arzneimitteln üblich. So enthält das illegal als Nahrungsergänzungsmittel vertriebene Präparat Li Da pro Kapsel immerhin 26,4 Milligramm des rezeptpflichtigen Appetitzüglers Sibutramin. Das ist die 2,6fache Wirkstoffmenge einer Reductil®-Kapsel, die man nur in Apotheken und nur auf Rezept erhält.6

Einige Brennpunkte der Verbrauchergefährdung lassen sich ausmachen: Besonders häufig sind Präparate aus dem asiatischen Raum betroffen.7 Es empfiehlt sich, diese grundsätzlich nicht über das Internet zu beziehen, sofern nicht ein deutscher Anbieter für die Qualität bürgt und auch haftet.

Besonders häufig sind Präparate verfälscht, die zur Förderung der Potenz (siehe Seite ##??##) oder zum Abnehmen angeboten werden. Obwohl sie als „rein pflanzlich“ deklariert sind, können sie stark wirkende und nebenwirkungsträchtige Arzneistoffe enthalten (siehe Tabelle Seite ##??##).

Die gesundheitlichen Risiken solcher als Nahrungsergänzungsmittel verkauften Präparate sind beträchtlich. Die Schweizer Arzneimittelagentur swissmedic warnt daher generell vor dem Kauf und der Einnahme von Produkten aus unkontrollierten Internet-Quellen. Über das Web „lassen sich Hunderte von keiner Behörde geprüfte, gefälschte, verfallene oder wirkungslose Arzneimittel von zweifelhafter Qualität beziehen. Oft werden irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen, jedoch keine Angaben zu möglichen Risiken gemacht.“7

Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel im Internet entzieht sich jeglicher Kontrolle. Selbst wenn eine Behörde in Einzelfällen Verfälschungen durch nicht erlaubte stark wirkende Stoffe nachweist und den Vertrieb eines solchen Produktes unterbindet, geht oft der Verkauf des gleichen Präparates unter anderer Bezeichnung weiter. Die Käufer müssen sich darüber im Klaren sein, dass Verbraucherschutz in diesem Bereich nicht gewährleistet ist. Die Hersteller der Produkte lassen sich oft nicht ausmachen. Eine nennenswerte Kontrolle solcher Mittel findet in Deutschland und in den meisten anderen Ländern nicht statt.

Gesundheitsrisiken durch Ratschläge aus dem Internet

Irreführende Informationen: Sehr häufig einseitige und falsche Informationen zu Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Medizinprodukten.

Illegale Praktiken: Vorsicht vor Internetdiagnosen, ungenügender, irreführender oder schlechter Beratung, ungeeigneten oder schädlichen Nahrungsergänzungs- oder sonstigen Heilmitteln, falscher Behandlung, finanziellem Risiko (oft teurer als Fachhandel, keine Rückerstattung, bei Mangel nicht retournierbar, bei Schäden keine Entschädigung, Risiko der Zollbeschlagnahmung).

Illegale Angebote: Vorsicht: häufig mangelnde Qualität, unzuverlässige Wirksamkeit und ungeprüfte Sicherheit (Präparate, die gefälscht, verboten, abgelaufen, über- oder unterdosiert oder Medikamente, die nicht zugelassen sind).

Gepanschte Produkte: Präparate, die im Internet angeboten werden und vor denen gewarnt wird.

Von zahlreichen weiteren verfälschten und mit Schadstoffen belasteten Präparaten ist auszugehen. Nichtnennung bedeutet daher keine Gewähr für Unbedenklichkeit.

Gepanschte Produkte: Präparate, die im Internet angeboten werden und vor denen gewarnt wird.

Von zahlreichen weiteren verfälschten und mit Schadstoffen belasteten Präparaten ist auszugehen. Nichtnennung bedeutet daher keine Gewähr für Unbedenklichkeit.

Name des Mittels Beanstandung wegen
Actra-Rx (Yilihen) Sildenafil oder ähnlicher Stoffb
Annai Aravindh Herbals Rheuma-7 Kapseln Blei und/oder Quecksilbera
Big Dragon Sildenafilb
Coleus Forskolii Ayurveda Verfälschung vermutet
Dragon Pulver Tadalafilb
4Everon Sildenafil oder ähnlicher Stoffb
9 Fast 9 Sibutraminc
Fufang LuHui Jiaonang Bleia
Goodcare Diabet Guard Granula Blei und/oder Quecksilbera
Green Tea Weight Loss Kapseln Sibutraminc
Himalaya Diabecon Tabletten Blei und/oder Quecksilbera
King 100% Natural male tonic Sildenafilb
Laurel’s Diabecs Kapseln Blei und/oder Quecksilbera
Libidus Sildenafil oder ähnlicher Stoffb
Li Da (Dai Dai Hua Jiao Nang) Kapseln Sibutraminc
Longdan Xieganwan (Lung Tan Gall Pill) Aristolochiasäured
Maroon Tabletten mit Prägung VG Sildenafilb
Meng Rong Kapseln Sildenafilb
Mr. Dragon Sildenafilb
Nasutra Kapseln Sildenafilb
Natural & Pure Sibutraminc
Neophase Formula for Men Sildenafil-ähnlicher Stoffb
Reduce Weight Kapseln Sibutraminc
Safi Arsena
Shu Bao Fenfluraminc
Tin Zhong Mei Bao Jian Sildenafilb
Vigor-25 Sildenafil oder ähnlicher Stoffb
Yixinjiaonang Kapseln Tadalafilb
Zhuifeng Tougu Wan Quecksilbera
Zimaxx Sildenafilb
a Verunreinigung.
b Nicht deklarierte Beimischung eines verschreibungspflichtigen erektionsfördernden Mittels vom Typ Viagra® (Sildenafil) u.a.
c Nicht deklarierte Beimischung eines verschreibungspflichtigen appetithemmenden Mittels vom Typ Reductil® (Sibutramin) u.a.
d Nierenschädlicher und krebsfördernder Pflanzeninhaltsstoff, der in Deutschland seit 25 Jahren verboten ist.

Quellen
1 siehe auch GPSP 2/2006, Seite 9-11
2 swissmedic: Medienmitteilung vom 17. August 2006, Anhang
3 Health Canada: „Warning”, 4. August 2006
4 LAING, C. et al.: Lancet 2006; 368: 338
5 FDA News: FDA Warns Consumers About Dangerous Ingredients in „Dietary Supplements” Promoted for Sexual Enhancement, 12. July 2006
6 GÖTTE, N.: Süddeutsche Zeitung vom 29./30. Juli 2006
7 swissmedic warnt vor asiatischen Arzneimitteln mit toxischen Inhaltsstoffen, Medienmitteilung vom 17. August 2006
8 Bundesinstitut für Risikobewertung: Pressedienst 24/2006 vom 28. Aug. 2006


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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