Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 02 S. 13

Schäden durch Vitamin D

Nicht überdosieren!

© Thomas Kunz
© Thomas Kunz

Generell gelten Vitamine als Garant für Gesundheit. Darum lassen sie sich auch als gesunde Nahrungsergänzung gut vermarkten. Was viele nicht wissen: Vitamine können auch schaden – gerade bei hohen Dosierungen.

Vitamin D, gern als Sonnenvitamin tituliert, weil es in der Haut durch UV-B-Strahlen gebildet wird, liegt im Trend und soll ein wahrer Tausendsassa sein. Altbekannt ist seine heilsame Wirkung bei Rachitis und Osteomalazie (= Rachitis bei Erwachsenen). Auch gibt es Hinweise darauf, dass Vitamin D in Kombination mit Kalzium bei älteren Menschen mit Osteoporose vor Knochenbrüchen schützen kann. Allerdings hängt der Nutzen davon ab, wie groß das individuelle Risiko ist und ob jemand in einem Pflegeheim wohnt (geringere Sonnenbestrahlung und weniger Vitamin D in der Verpflegung), oder noch selbstständig lebt.1 Bei Älteren, die sich in ihrer Wohnung selbst versorgen, ist der Nutzen umstritten. Nun soll Vitamin D außerdem auch noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, das Immunsystem ankurbeln und sogar Krebs verhindern. Allein: Wenig von diesem aktuellen Hype ist tatsächlich wissenschaftlich gut belegt.2

Nieren in Gefahr
Ungeachtet des geringen oder vielleicht sogar fehlenden Nutzens bei den neuerdings behaupteten Indikationen nehmen viele Besorgte auf eigene Faust Vitamin D-Präparate ein. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ greifen manche sogar zu hoch dosierten Präparaten. Die sind in Deutschland zwar verschreibungspflichtig, lassen sich aber im Internet problemlos kaufen.

Auf die Gefahren machte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aufmerksam:3 Ihr liegen Berichte über zwei ältere Menschen vor, die täglich zwischen 10.000 und 50.000 Internationale Einheiten (I.E.) Vitamin D eingenommen hatten – mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit. Bei beiden Patienten versagten die Nieren. Bei einem erholte sich die Nierenfunktion wieder, der andere bleibt sein Leben lang dialysepflichtig.

Was war passiert? Durch die viel zu großen Vitamin-D-Mengen war das Kalzium im Blut stark angestiegen und hatte sich in den Blutgefäßen (Arterienverkalkung) und eben auch in den Nieren abgelagert (Nierenverkalkung). Mögliche Folge dabei ist ein akutes oder chronisches Nierenversagen.

Auf die Dosierung achten
Als Erwachsene nehmen wir bei normaler Ernährung einen Teil des lebenswichtigen Vitamin D auf. Bei dem einen oder anderen Fußweg oder bei der Gartenarbeit bildet sich durch die Sonnenbestrahlung zusätzlich genug Vitamin D in der Haut. Um einem Mangel vorzubeugen, etwa bei veganer Ernährung oder zu wenig Aufenthalt im Freien, reichen täglich etwa 800 I.E. Vitamin D aus, den Bedarf zu decken. Nach der aktuellen Empfehlung der Europäischen Lebensmittelbehörde sollten es auf Dauer keinesfalls mehr als 4.000 I.E. täglich sein, damit sich keine Vergiftung mit zu hohen Kalziumwerten im Blut entwickelt.

Fazit
Finger weg von hoch dosierten Vitamin-D-Präparaten ohne ärztliche Untersuchung, Verschreibung und Überwachung! Die meisten Menschen in Deutschland haben keinen Vitamin-D-Mangel. Wer meint, eine künstliche Vitamin-D-Zufuhr zu benötigen, sollte sich ärztlichen Rat holen. Haben Blutuntersuchungen einen ausgeprägten Mangel ergeben, bekommen Sie Empfehlungen zu Ernährung und Lebensführung und gegebenenfalls für kurze Zeit eine ärztliche Verordnung für ein hoch dosiertes Vitaminpräparat. Unter dieser Behandlung müssen die Blutwerte von 25-OH-Vitamin D und Kalzium überwacht werden.


1    Avenell A u.a. (2014) Cochrane Database Syst Rev 2014, CD000227.pub4
2    Autier P u.a. (2017) Lancet Diabetes Endocrinol 5, S. 986
3    AkdÄ Drug Safety Mail vom 30.11.2017

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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