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Mit Safran gegen Depression?

Aussagekräftige Studien für den Nutzen fehlen

@Thomas Kunz

Ob spanische Paella, die französische Fischsuppe Bouillabaisse oder schwedische Lucia-Brötchen: Ohne Safranfäden sind diese kulinarischen Köstlichkeiten kaum denkbar. Allerdings werden die getrockneten Blüten-Griffel der Krokusart Crocus sativus auch in pulverisierter Form oder als Extrakt als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, das angeblich gegen Depressionen helfen soll.

Oder wie es die Werbung ausdrückt: Das gelbe Gewürz soll wie „Sonne für die Seele“ sein, für „mehr Spaß im Leben“ und ein „Glücksgefühl“ sorgen. Kein Wunder, dass die Anbieter zu solchen blumigen Formulierungen greifen: Denn krankheitsbezogene Werbung ist für solche Produkte nicht erlaubt – im Gegensatz zu Arzneimitteln, für die die Wirksamkeit dann aber mit Studien belegt sein muss.

Wie sieht die Datenlage für Safran aus? Zu Nutzen und Risiken bei Depression hat das    arznei-telegramm recherchiert.1

Wenig verlässliche Studien

Tatsächlich wurde der Nutzen von Safran bei leichter oder mittelschwerer Depression in Studien untersucht. Insgesamt 14 konnte das arznei-telegramm identifizieren. Zusammenfassungen dieser Untersuchungen kommen zu dem Schluss: Safran soll deutlich besser helfen als ein Scheinmedikament und Antidepressiva wie Citalopram, Fluoxetin oder Imipramin ebenbürtig sein.

Wenn man genauer hinschaut, ist die Datenlage in Wirklichkeit aber eher dünn: Alle Studien wurden im Iran durchgeführt, der etwa 90 Prozent des weltweit vertriebenen Safrans produziert. Die Veröffentlichung positiver Berichte dürfte die Vermarktung des Gewürzes fördern. Die Studien stammen fast alle aus einer einzigen Klinik in Teheran, sind relativ klein und dauerten in der Regel nur wenige Wochen. Daraus lassen sich keine weitreichenden Schlussfolgerungen ziehen.

Zahlreiche Zweifel

Wenig vertrauenserweckend: Alle Studien fallen positiv aus, egal welche Zubereitungsformen des Safrans getestet werden. Das ist bei pflanzlichen Mitteln eher ungewöhnlich.

Es gibt auch Hinweise, dass möglicherweise nicht alle durchgeführten Studien veröffentlicht sind, also unvorteilhafte unter den Tisch gefallen sind. Unklar ist außerdem, ob es wirklich komplett verschiedene Studien sind oder teilweise die Daten derselben Teilnehmenden in mehreren Studien verwendet und ausgewertet wurden. Das lässt Zweifel an den angeblichen Belegen für eine Wirksamkeit weiter wachsen.

Nebenwirkungen möglich

Safran kann auch schaden: Im Vergleich zu einem Scheinmedikament berichteten diejenigen, die Safran eingenommen hatten, häufiger über Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst und Appetitverlust.

Weil der Nutzen unbelegt und die Langzeitsicherheit ungeklärt ist, rät das arznei-telegramm von Safran-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab.

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 04/2023 / S.13