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© towfiqu ahamed/iStock

Lukratives Geschäftsmodell: Mit Nobelpreisen Kasse machen

Wie die Pharmaindustrie uns zweimal in die Taschen greift

Auszeichnungen schmeicheln. Vor allem dem, der sie bekommt. Als kürzlich der Medizin-Nobelpreis verliehen wurde, feierte der Lobbyverband der großen Pharmafirmen, vfa, die Preisträger mit folgenden Worten: „Ein weiteres Mal zeigt sich an den heute verliehenen Nobelpreisen, wie Ergebnisse der Grundlagenforschung den Weg zu besseren Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren Erkrankungen weisen, die dann von Unternehmen und Forschungsgruppen entwickelt und zur Serienreife gebracht werden können.“1

Das klingt wie ein verstecktes Eingeständnis. Ist es etwa nicht allein die Pharmaindustrie, die den medizinischen Fortschritt antreibt, so wie sie es uns gerne bei jeder Gelegenheit erzählt?

Dabei sollte es längst zum Allgemeinwissen gehören: Vor allem in den schwierigen frühen Phasen der Forschung leisten Universitäten und öffentliche Institute die Hauptarbeit, über 90 Prozent der Wirkziele für Medikamente werden dort entdeckt.2 Und zehn der Medizin-Nobelpreisträger:innen der letzten sechs Jahre haben ihre Arbeit in öffentlichen oder gemeinnützigen Einrichtungen vorangetrieben, nur drei auch bei der Industrie.

Die Nobelpreise zeigen, dass ein großer und wichtiger Teil der Pharmaforschung durch öffentliche Gelder zustande kommt. Die Industrie greift dann gerne auf diese Vorarbeiten zu. Das ist ihr Geschäftsmodell: Vergesellschaftung der Kosten, Privatisierung der Gewinne.

Die zehn pharmazeutischen Unternehmen, die die meisten Kosten für die deutschen Krankenkassen verursachen, erzielen im Schnitt 28 Prozent Gewinn.3 Wir zahlen also zweimal für Medikamente: einmal über Steuern und einmal über hohe Kassenbeiträge.

 

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2026 / S.28