Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 01 S. 14a

Kurz und knapp

Tramadol: Atemprobleme bei Kindern

Tramadol ist ein starkes Schmerzmittel, das zum Beispiel Kindern und Jugendlichen bei Mandeloperationen in Form von Tropfen gegeben wird. Es gehört zu den Opioid-Schmerzmitteln. Bei ihnen gibt es ein bekanntes Problem: Sie können die zentralnervöse Steuerung der Atmung stören und so das automatische Ein- und Ausatmen behindern.

Das Risiko einer solchen Atemdepression besteht insbesondere bei Menschen, die das Opioid ungewöhnlich schnell verstoffwechseln. Denn bei ihnen entstehen rasch hohe Wirkspiegel eines Opioid-Abbauprodukts, das zur schmerzlindernden Wirkung von Tramadol beiträgt. Das ist gefährlich:  In Frankreich erlitt ein fünfjähriger Junge, der zu dieser Risikogruppe gehört, eine schwere Atemdepression. Er hatte nur einmal, und angeblich in der für Kinder empfohlenen Dosierung, Tramadol-Tropfen erhalten.

Seit 2013 soll Kodein, ein anderes Opioid-Schmerzmittel, wegen ähnlicher Eigenschaften in Deutschland Kindern unter 12 Jahren nicht mehr verordnet werden (siehe S. 10). Aber Tramadol dürfen Ärzte hierzulande
bereits bei Einjährigen anwenden!

In den USA ist Tramadol für Patienten unter 18 Jahren gar nicht zugelassen, dennoch erhalten es dort ebenfalls Kinder. Man spricht bei solchen Anwendungen außerhalb der Zulassung von Off-Label-Use. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt aktuell davor, Tramadol bei unter 18-Jährigen anzuwenden, und sie empfiehlt Eltern, auf Warnsignale zu achten.1 Das sind außer Atembeschwerden zum Beispiel Schläfrigkeit und Verwirrtheit. Hierzulande, wo das Mittel auch für kleine Kinder zugelassen ist, sollten Eltern besonders achtsam sein, wenn ihr Kind Tramadol erhalten hat.

1 arznei-telegramm® (2015) 46, S. 101

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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