Antidot gegen Gerinnungshemmer hat keine Vorteile
Trotz Schaden bleibt das Mittel auf dem Markt
Viele Herzkranke müssen Gerinnungshemmer nehmen, damit sich keine Blutgerinnsel bilden. Dabei kann es als Nebenwirkung bei einem von 200 Patient:innen im Jahr aber zu Hirnblutungen kommen. Für die neueren Gerinnungshemmer Rivaroxaban und Apixaban fehlte lange ein spezifisches Gegenmittel, um die Blutverdünnung zu unterbrechen.
In diese Lücke stieß 2018 Andexanet alfa. Allerdings basierte die vorläufige Zulassung auf dessen Wirkung auf Gerinnungswerte bei Gesunden. Deshalb machten die Kontrollbehörden die Auflage, den Nutzen von Andexanet alfa bei Patient:innen, die Hirnblutungen unter Rivaroxaban oder Apixaban erlitten, in einer randomisierten Vergleichsstudie zu untersuchen. Die Ergebnisse lagen 2023 vor, führten aber erst im Dezember 2025 zum Rückzug von Andexanet alfa in den USA, nicht jedoch in der EU.1
Dabei ist die Faktenlage eindeutig: Gegenüber der üblichen Akutbehandlung, der Gabe von Gerinnungsfaktoren (PPSB), gibt es keine Vorteile, aber Nachteile: Thrombosen treten unter Andexanet alfa doppelt so häufig auf (14,6 Prozent versus 6,9 Prozent), zu Todesfällen durch Thrombosen kam es bei 2,5 Prozent statt bei 0,9 Prozent.
Die Begründung der europäischen Behörde EMA, warum kein Widerruf der Zulassung erfolgt: Die übliche Therapie mit den Blutgerinnungsfaktoren PPSB ist als Antidot gegen Rivaroxaban und Apixaban nicht zugelassen. Das überzeugt nicht, denn sie wird in Leitlinien empfohlen und diente in den Studien als Vergleichsbehandlung.2 Arzneimittelbrief und arznei-telegramm fordern ein Verbot von Andexanet alfa.
Stand: 29. April 2026 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 03/2026 / S.03