Wie der Klimawandel Allergien beeinflusst
Mehr Pollen, längere Heuschnupfen
Längere Blühzeiten, mehr Pollen: Durch den Klimawandel verändert sich die Umwelt. Einige Faktoren beeinflussen dabei Risiko und Verlauf von allergischen Erkrankungen.
Viele Menschen freuen sich, wenn es draußen warm ist und überall blüht. Doch ein früher Frühling ist nicht nur positiv: Durch den Klimawandel steigen weltweit die Durchschnittstemperaturen und in der Natur lassen sich Verschiebungen der Jahreszeiten beobachten. Auch Extremwetterereignisse häufen sich und der Klimawandel verstärkt die gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung. All das beeinflusst auch Allergien, konkret: wie lange sie dauern, wie schwer sie werden und wie häufig sie vorkommen.1
Längere Pollensaison
Die häufigste allergische Erkrankung ist in Deutschland der Heuschnupfen. Die oberen Atemwege reagieren dabei auf Pflanzenpollen in der Luft. Es kommt dann etwa zu einer „verstopften“ oder laufenden Nase, geschwollenen Augenlidern und Müdigkeit. In schweren Fällen kann auch allergisches Asthma entstehen. Bei bestehendem Asthma sorgt der Heuschnupfen für mehr Anfälle als sonst.2
Vor allem Atemwegserkrankungen wie Asthma haben laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) bereits stark zugenommen und ein „epidemisches Ausmaß“ erreicht. In Zukunft werden Pollenallergien aber noch häufiger und mit stärkeren Beschwerden auftreten, schätzen die Expert:innen. Dafür gibt es mehrere Gründe, die mit dem Klimawandel zusammenhängen.
So beginnt die Pollensaison durch die wärmeren Temperaturen im Winter und Spätherbst in der Regel früher und endet später. Menschen mit Pollenallergie sind den Auslösern, den Allergenen, also länger ausgesetzt. Auch erhöht sich durch die längere Saison das Risiko für bisher Gesunde, eine Allergie zu entwickeln – gerade, wenn sie sowieso schon eine Veranlagung dazu haben.
Aggressivere Pollen
Hitze und Trockenheit setzen Pflanzen unter Stress. Sie verändern die Eiweiße von Pollen zum Teil so, dass sie schnellere und stärkere Reaktionen des menschlichen Immunsystems hervorrufen. Mit mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre wachsen Pflanzen auch schneller. Sie werden außerdem größer, blühen länger und stärker und können so mehr Pollen produzieren.3
Auch die Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie etwa Stickstoffdioxid und Ozon, die unter anderem durch den Verkehr entsteht, beeinflusst, wie Pflanzenpollen wachsen und wie allergieauslösend sie werden. Einige Schadstoffe können die Wände der Pollen schädigen, wodurch mehr allergieauslösende Eiweißstoffe freigesetzt werden. Diese gelangen dann zum Teil in die unteren Atemwege und rufen asthmabedingte Symptome hervor.
Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Luftschadstoffe einige Pollenarten langlebiger machen. Darüber hinaus können sich mehrere Schadstoffe an Allergene binden und die Asthmasymptome verstärken. Auch können sie zu Entzündungen der Atemwege führen, dadurch die Schleimhautbarrieren schädigen und eine allergene Reaktion auslösen.
Neue Allergene …
In Teilen Deutschlands breiten sich seit einiger Zeit invasive Pflanzenarten wie das ursprünglich aus Nordamerika stammende beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) aus, auch Beifuß-Ambrosie oder nur Ambrosia genannt. Es blüht im Spätsommer und produziert sehr viele hochallergene Pollen. Schon kleine Mengen reichen aus, um bei Menschen mit Allergien einen Anfall auszulösen.
Das RKI geht davon aus, dass bis 2060 deutlich mehr Menschen allergisch auf Ambrosiapollen reagieren werden. Auch andere invasive Arten wie etwa der Götterbaum (Ailanthus altissima) könnten in Zukunft eine größere Rolle in der Entstehung von Allergien spielen.
… und Phänomene
Ein noch relativ unerforschtes Phänomen ist das Gewitterasthma (Thunderstorm Asthma). Menschen mit Heuschnupfen oder allergischem Asthma können bei Gewittern zum Teil schwere Asthma-Anfälle bekommen. Fälle von Gewitterasthma traten bislang vor allem auf, wenn besonders viele Gräserpollen, daneben auch Baum- und Kräuterpollen oder Pilzsporen in der Luft waren und häufig innerhalb der ersten halben Stunde des Extremwetterereignisses. Bislang wurde das Phänomen allerdings relativ selten beobachtet. Das RKI berichtet von etwa 30 bekannten Ereignissen vor allem in England und Australien. Bekannt wurde Gewitterasthma, als es 2016 im australischen Melbourne gehäuft auftrat: So mussten nach einem schweren Gewitter mehrere Tausend Menschen wegen asthmatischer und allergischer Beschwerden in Krankenhäusern behandelt werden, zehn von ihnen starben.
Einen Überblick, wann und wo welche Pollen fliegen, erhalten Sie hier.
Stand: 24. April 2024 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 03/2024 / S.10