Zum Inhalt springen

Sex sells

Es ist eine Binsenweisheit: Sex in der Werbung zieht immer. Das dachten offenbar auch die Werbeexperten, die sich im Auftrag von Strathmann für das verschreibungspflichtige StroVac® die abgebildete Anzeige einfallen ließen. Das Präparat zur Behandlung wiederkehrender Blasenentzündungen (vor allem bei Frauen) stammt aus einer Ärztezeitschrift, denn bei Verbrauchern ist Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten (GPSP 1/2011 S. 8).1 Informationen, wie Blasenentzündungen zu behandeln sind, vermittelt die Anzeige nicht – stattdessen einen niveaulosen Blickfänger.

Quelle der Anzeige: Arzt und Wirtscha! Sept. „#“
  • Hohe Patientenbindung? StroVac® soll mehrmals gespritzt werden. Ob die Empfehlung eines Mittels, das häufig unerwünschte Wirkungen auslöst, tatsäch- lich die Patientenbindung fördert?
  • IGeL bieten? IGeL-Leistungen müssen Patienten selbst bezahlen. Mit dem IGeL-Hinweis signalisiert die Firma dem Arzt ein Zusatzeinkom- men ohne Kontrolle und Preisregulierung durch die Krankenkassen.2
  • Erotik, oder was? Laszive Haltung, eine dicke Zigarre, rote Lippen. Erotik? Sonderbare Assoziationen sollen geweckt werden, obwohl es schlicht um Frauen geht, die unter häufigen Blasenentzündungen leiden.
  • Dauerhafter Schutz? Die Werbung verspricht guten Schutz vor wiederkehrenden Blasenentzündungen. Die wissenschaftlichen Belege hierfür3 sind nach modernem Standard dürftig.

StroVac® enthält eine Mischung aus mehreren Bakterienstämmen, die typische Erreger akuter Blasenentzündungen sind. Die Bakterien wurden inaktiviert und sollen als Impfung wirken, aber auch zur Behandlung eingesetzt werden können. Obwohl das Produkt schon seit 1984 auf dem Markt ist (früher als SolcoUrovac®), sind die bisher vorliegenden Studien von wissenschaftlich dürftiger Qualität und kaum geeignet, die Wirksamkeit zu belegen. Ob sich das mit einer aktuell laufenden Studie4 ändert, bleibt abzuwarten. Gut verträglich ist StroVac® jedenfalls nicht: Häufige unerwünschte Wirkungen der Injektionen sind Schmerzen, die von der Injektionsstelle ausgehen, grippeähnliche Symptome und Abgeschlagenheit. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit kommen vor, zudem Kreislaufkollaps.5 Die Kosten für das Arzneimittel (109 € für die dreimalige Injektion) sowie für die ärztlichen Leistungen sind selbst zu tragen (IGeL-Leistung ). Obwohl Langzeituntersuchungen fehlen,4 empfiehlt der Hersteller eine weitere Dosis nach einem Jahr.

PDF-Download

– Gute Pillen – Schlechte Pillen 06/2012 / S.28