Warum der Körper Hitze schlecht verträgt
Und was gegen hohe Temperaturen hilft

Was passiert, wenn es dem Körper zu warm wird? Und wie lässt sich Hitzewellen im Zuge des Klimawandels begegnen? Diese Fragen bespricht der Physiologe und Professor für Weltraummedizin und extreme Umwelten an der Berliner Charité, Hanns-Christian Gunga, in seinem Buch „Tödliche Hitze“. Der Titel klingt zwar dramatisch, ist aber, da Schätzungen zufolge in Europa an den Folgen des Hitzesommers letztes Jahr 60.000 Menschen gestorben sind,1 keine Übertreibung. 2022 und 2018 gelten als wärmste Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.2
Auch in Zukunft rechnen Expert:innen mit intensiveren, längeren und häufigeren Hitzewellen.3 Für Menschen kann das im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden, weil sie in der Regel nur Abweichungen von ungefähr 6 Grad Celsius von ihrer inneren Körpertemperatur vertragen. Zur Gefahr kann aber auch schon ein Sonnenbrand werden. Das Risiko für Hitze-Erkrankungen ist dabei individuell. Es hängt unter anderem vom Hauttyp, Alter und Geschlecht und von äußeren Einflüssen wie der Luftfeuchtigkeit und Stärke und Dauer der Sonneinstrahlung ab.
Zugegeben: Für viele Leser:innen klingt das wahrscheinlich nicht neu. Dass etwa Kinder, Hochbetagte, Vorerkrankte und Menschen, die im Freien arbeiten, sich besonders vor Hitze und Sonne schützen sollten, lange Kleidung und Kopfbedeckungen bei starker Sonnenstrahlung helfen und man bei hohen Temperaturen ausreichend trinken und sich im Schatten aufhalten sollte, dürfte sicher ebenfalls vielen klar sein. Auch beschreibt Gunga manche seiner Themen wie zellphysiologische Vorgänge im Körper leider recht kompliziert. Die eigentlich sinnvollen Erklärungen von Fachbegriffen schaffen da nicht immer Abhilfe. Manche Leser:innen legen „Tödliche Hitze“ dadurch vielleicht frühzeitig weg. Das wäre aber schade, denn der Autor behandelt im weiteren Verlauf seines Buchs wichtige Themen wie etwa Arbeitsschutzvorschriften in Deutschland und den Einfluss des Klimawandels auf das städtische Leben. Von praktischem Nutzen ist auch das Kapitel über häufig verschriebene Medikamente, die bei Hitze eingenommen unangenehme bis gefährliche Wirkungen haben können.
Am Beispiel der Charité, die bis 2050 klimaneutral werden will, zeigt Gunga zudem anschaulich auf, vor welchen Herausforderungen der Gesundheitssektor steht, um seinen derzeit noch hohen Kohlendioxidausstoß zu senken und sich gegen steigende Temperaturen zu wappnen. Der Autor stellt dabei Lösungsansätze wie die „Green Building“-Konzepte vor, mit denen Häuser nachhaltiger werden können, indem sie zum Beispiel mit Solaranlagen und Gebäudedämmungen ihren Energieverbrauch senken. Dass solche Maßnahmen wegen des Klimawandels nicht nur wünschenswert, sondern notwendig sind, macht Gunga anhand von Subsahara-Afrika deutlich. In vielen Ländern dort sind Menschen aufgrund der Erderwärmung bereits heute von Dürren, Überflutungen und infolgedessen Hungersnöten und gesellschaftlichen Konflikten betroffen.
Nachdem er sich mit Regionen außerhalb Europas beschäftigt hat, wirft Gunga zum Schluss einen Blick ins Universum. Könnte die Menschheit die Erde verlassen und sich anderswo eine neue Existenz aufbauen? Die Idee einer „zweiten Erde“ ist ihm zufolge utopisch. Anstatt nach den Sternen zu greifen, ruft Gunga deshalb dazu auf, lieber den Heimatplaneten mit seinen Bewohner:innen zu schützen. Sein Buch vermittelt dabei trotz kleinerer stilistischer Schwächen einen guten Eindruck von der Zerbrechlichkeit vielen Lebens auf Erden, bietet einen soliden Überblick zum Thema Hitze und ein paar beachtenswerte Lösungsansätze.
Stand: 15. August 2023 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2023 / S.09