14. April 2020

Vom sicheren Tod zum Leben mit Diabetes

Wie das Insulin entdeckt wurde

Frederick Banting und Charles Best
Library and Archives Canada

Bis Anfang der 1920er Jahre war die Diagnose Typ-1-Diabetes quasi ein Todesurteil: Es gab keine wirksame Therapie gegen die Form der Zuckerkrankheit, die meistens bei jungen Menschen auftritt. Die Entdeckung des Insulins durch zwei junge kanadische Forscher änderte das grundlegend.

Als der 14-jährige Leonard Thompson im Dezember 1921 ins Allgemeine Krankenhaus im kanadischen Toronto eingeliefert wurde, wog er nur noch 33 Kilo. Er war an Typ-1-Diabetes erkrankt und hatte eigentlich keine Chance, längere Zeit zu überleben.

Hilflose Therapieversuche
450 Kilokalorien pro Tag, mit möglichst wenigen Kohlenhydraten, um den erhöhten Blutzucker zu senken: Mit solchen drastischen Maßnahmen wurden noch Anfang des 20. Jahrhunderts Menschen behandelt, bei denen die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzierte. Zum Vergleich: 450 Kilokalorien sind weniger als ein Viertel dessen, was die heutigen Ernährungsempfehlungen für die Durchschnittsbevölkerung vorsehen.

Diese Behandlung war aber nicht nur erfolglos, sondern verstärkte sogar noch die Folgen der Krankheit: Fehlt Insulin, kann der Körper Kohlenhydrate nicht in die Zellen aufnehmen und folglich auch nicht verwerten. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel, und die Niere scheidet große Mengen Zucker und Flüssigkeit aus. Weil Zucker als „Treibstoff“ fehlt, baut der Körper seine Fettreserven ab. Durch alle diese Vorgänge magerten junge Menschen mit Diabetes damals massiv ab. Die strenge Diät konnte außerdem auch nicht das gefürchtete diabetische Koma verhindern, das durch den hohen Blutzucker und durch die sauren Fett-Abbauprodukte entsteht und damals immer tödlich verlief.

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