Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2017 / 05 S. 14b

Kurz und knapp:

Männer:
Wenn die Brust wächst

Jodi Jacobson/ iStockphoto.com
© Jodi Jacobson/ iStockphoto.com

Dass das Brustdrüsengewebe zunimmt, kommt bei älteren Männern häufiger vor als bei jüngeren. Manchmal handelt es sich tatsächlich um Brustkrebs. Öfter als man vermuten würde, steckt dahinter allerdings die unerwünschte Wirkung eines Medikaments. Wissenschaftler in Neuseeland haben ausgewertet, welche Arzneimittel dabei besonders aufgefallen sind.2 Sie stießen oft auf Spironolacton, ein blutdrucksenkendes Mittel, das in bestimmten Situationen auch bei Herzschwäche und Ödemen, manchmal bei Leberzirrhose verordnet wird. Zu den auffälligen Medikamenten gehört allerdings auch ein so verbreitetes Mittel wie Omeprazol, das viel zu oft als Säureblocker oder „Magenschutzmittel“ eingenommen wird (GPSP 6/2008, S. 3). Es nahm Platz 2 der Auswertung ein. Am dritthäufigsten gezählt wurden die Säurehemmer Cimetidin und Ranitidin, zudem Risperidon gegen Psychosen sowie der Blutfettsenker Simvastatin.

In Deutschland werden Meldungen zu unerwünschten Arznei­mittelwirkungen unter anderem von der Arzneimittel­kom­mission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) erfasst. Eine aktuelle Auswertung der dort einlaufenden Spontanmeldungen zur Brustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie) ergab ein ähnliches Bild wie in Neuseeland, wenn auch mit einigen Abweichungen:3 Auf Platz 1 der hiesigen Meldungen erscheint Finasterid, das die Bildung des Sexualhormons Testosteron beeinflusst und häufig bei vergrößerter Prostata verordnet wird, seltener auch als Haarwuchsmittel. Spironolacton steht an 2. Stelle. Risperidon folgt auf Platz 3, Ranitidin und Omeprazol reihen sich auf Platz 5 beziehungsweise 6 ein. Während die erstgenannten Mittel bekanntermaßen den Testosteronspiegel beeinflussen, ist bisher unklar, warum manche Magensäureblocker eine Gynäkomastie verursachen können.

Männer, bei denen das Brustgewebe zunimmt, sollten in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Bei 8 von 10 Patienten bildet sich das Drüsengewebe zurück, wenn das problematische Medikament abgesetzt wird.


3    Arzneiverordnung in der Praxis (2017) 44, S. 98
2    New Zealand Medicines and Medical Devices Safety Authority (2016) Drug-induced gynecomastia. Prescriber Update 37, S. 37

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.


Titelbild dieser Ausgabe


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