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©Dean_Mitchell_iStock

Knie-Arthrose: Hyaluronsäure-Spritze hilft kaum

Weder Schmerzen noch Beweglichkeit deutlich verbessert

Über Nutzen der Therapie streiten Fachleute seit 50 Jahren. Eine große systematische Übersichtsarbeit zieht jetzt einen Schlussstrich unter die Debatte.

Morgens sind die Gelenke steif und schmerzen bei der Bewegung: Menschen mit Knie-Arthrose kennen solche Beschwerden. Bei der Erkrankung nutzt sich das Knorpelgelenk ab, wird dünner und entzündet sich. Die Behandlung richtet sich unter anderem danach, wie weit die Knie-Arthrose fortgeschritten ist. Ein wichtiger Bestandteil sind Be­­wegungsübungen: Sie stärken die Muskulatur, die das betroffene Gelenk umgibt. Abnehmen hilft, die Last auf die Gelenke zu senken.1

Darüber hinaus sollen Arzneimittel helfen, die Symptome zu lindern. Eine der Therapien: Spritzen mit Hyaluronsäure ins Kniegelenk. Hyaluronsäure kommt ganz natürlich in der Gelenkflüssigkeit vor und dient im Gelenk als „Schmiermittel“. Ob es Menschen mit Knie-Arthrose hilft, wenn Arzt oder Ärztin Hyaluronsäure ins betroffene Gelenk spritzen, ist seit den 1970er-Jahren umstritten.

Um die Debatte zu klären, hat ein internationales Forscherteam im Sommer 2022 eine große systematische Übersichtsarbeit veröffentlicht. Darin identifizierten sie knapp 170 Studien mit insgesamt mehr als 20.000 Patient:innen.2 Um Nutzen und Risiken verlässlich zu beziffern, konzentrierte sich das Forschungsteam auf große Studien, in denen die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip entweder Spritzen mit Hyaluronsäure oder Spritzen mit Placebo erhielten. Für diese Auswertung standen je nach Aspekt die Daten von 6.000 bis 9.000 Patient:innen mit Knie-Arthrose zur Verfügung.

Kein wesentlicher Nutzen

Dabei stellte sich heraus, dass Spritzen mit Hyaluronsäure Schmerzen im Vergleich zu Placebo zwar etwas lindern können. Allerdings nur so wenig, dass es für viele Menschen mit Knie-Arthrose keinen wesentlichen Unterschied macht. Zudem verbesserten die Hyaluronsäure-Spritzen die Beweglichkeit des Gelenks nicht wesentlich.

Negative Ergebnisse nicht veröffentlicht

Darüber hinaus stellte das Forschungsteam der Übersichtsarbeit fest: Viele Studien, die An­bieter von Hy­a­luronsäure-Präparaten finanziert hatten, wurden niemals vollständig veröffentlicht – in der Regel geschah das dann, wenn die Wirkung der Hyaluronsäure-Behandlung nur so gut oder gar schlechter ausfiel als mit Placebo.

In einer zusätzlichen Analyse kommt die Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass seit spätestens 2009 klar gewesen sei, dass Hyaluronsäure-Spritzen keinen wesentlichen Nutzen haben. Trotzdem seien immer noch weitere Studien durchgeführt worden.

Fazit

Hinsichtlich des Nutzens spricht also nichts für die Behandlung mit Hyaluronsäure-Spritzen. Allerdings gibt es Hinweise auf mögliche Risiken: So können Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im behandelten Gelenk auftreten.1

IGeL-Monitor: Hyaluronsäure ins Knie?

Einmal ist keinmal

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2023 / S.11