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© Kwangmoozaa/iStock

Falschinformationen über Kosten von Übergewicht in den Niederlanden

Fehler in Pressemitteilung nutzt der Pharmaindustrie

Eine Dokumentation im niederländischen Fernsehen berichtete kürzlich über eine Pressemitteilung der Universität Maastricht von 2022, die dubiose Zahlen zu Übergewicht und Fettleibigkeit in den Niederlanden verbreitete. Die dort genannten Kosten von jährlich 79 Milliarden Euro lagen weit über den Ergebnissen internationaler wissenschaftlicher Studien. Sie werden trotzdem bis heute vielfach zitiert.

Nach der Sendung zog die Universität ihre Meldung mit dem Kommentar, „die 79 Milliarden Euro hätten nicht verwendet werden dürfen“, zurück.1 Die falschen Zahlen kamen durch eine Zusammenarbeit mit der Partnerschaft gegen Übergewicht (PON) zustande. Auf die Kritik sagte eine Sprecherin von PON, die Summe von 79 Milliarden Euro sei in der Tat „überzogen“ und habe in erster Linie als Weckruf dienen sollen.

Andere Expert:innen betonen: Solche Berechnungen müssen genau belegt werden, da ein überhöhter Betrag es Pharmaunternehmen leicht mache, mehr für ihre Medikamente zu verlangen.2

Novo Nordisk und Lilly, zwei Hersteller von Abnehmmitteln, nutzen die falsche Zahl für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Sie findet sich zudem in einem Positionspapier vom Mai 2025, das eine frühzeitige Behandlung Übergewichtiger fordert. Beteiligt waren acht Gesundheitsökonomen, von denen drei Interessenkonflikte haben: Sie arbeiten auch für Health-Ecore, ein Beratungsunternehmen, das Analysen für ­Lilly erstellt.1 Der Pharmakonzern will, dass die Krankenkassen die Kosten seiner neuen Abnehmspritze übernehmen.

Novo Nordisk: Un­seriöses Marketing

Lex Lilly: Dubioser Deal um das Abnehmmittel Tirzepatid

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 01/2026 / S.03