Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2008 / 05 S. 02

Liebe Leserin, lieber Leser,

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© R. Brinkmann

kritisch über Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu berichten ist aufwändig. Jeder Satz muss stimmen. Alles muss durch Quellen belegbar sein. Andernfalls werden die Rechtsabteilungen der Hersteller aktiv. Finden Firmen keinen Ansatzpunkt, kritisch besprochene Präparate durch juristische Finten zu retten, folgen sie einer anderen Strategie: Hochloben. Pressemitteilungen sowie von Firmen finanzierte „Experten“, die so genannten Mietmäuler, verbreiten ausschließlich und werbewirksam die positive Sicht der Firmen.

Firmen und ihre „Sprachrohre“ machen es sich leicht: Aus einer Theorie oder aus einem Reagenzglasversuch wird flugs ein Nutzen für Jedermann konstruiert. Aus vagen Erfahrungsberichten wird scheinbar Gesichertes. Von Werbeabteilungen vorbereitete Artikel gelangen in so manche Zeitschrift , ohne dass Journalisten nachrecherchieren und die Behauptungen kritisch hinterfragen. Solange falsche Aussagen für den Anbieter günstig ausfallen, gehen sie damit kein Risiko ein. Denn kaum ein durch falsche Versprechen geschädigter Patient traut sich gegen eine Firma oder ihre medialen Gehilfen rechtlich vorzugehen.

Hoffen lässt uns jetzt ein Urteil aus Kassel. Dort wurden Ärzte, Importeure eines obskuren Krebsmittels und auch ein Journalist in erster Instanz zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie ein unwirksames Mittel gegen Krebs propagiert hatten (Seite 10). Wir hoffen, dass das Urteil Schule macht.

Auch das hat Mut uns gemacht: Eine Leserin schreibt uns: Sie verschlinge geradezu jedes Heft Gute Pillen – Schlechte Pillen, sobald es erschienen ist.

Ich wünsche mir, auch Sie lesen GPSP mit Vergnügen und Gewinn.

Ihr Wolfgang Becker-Brüser


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