Zum Inhalt springen
© aeksorayoot/iStock

Was bringen Dapagliflozin und Empagliflozin?

Nutzen und Risiken der SGLT-2-Hemmer bei Herzschwäche

Kurzatmig, schnell erschöpft, Wassereinlagerungen in den Beinen: So kann sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) äußern. Je nachdem, wie stark die Pumpfunktion des Herzmuskels beeinträchtigt ist, sprechen Fachleute von einer verminderten oder einer erhaltenen Auswurfleistung.1

Die Wirkstoffe Dapagliflozin und Empagliflozin aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer waren ursprünglich nur für die Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen (siehe Kasten), sind inzwischen aber auch Therapie­optionen bei Herzschwäche. Welche Vorteile und Risiken haben die Wirkstoffe im Vergleich zu etablierten Medikamenten bei Herzschwäche?

Herzschwäche: Was ist Standard?

Bei einer Herzschwäche erhalten Betroffene als Standardtherapie in der Regel ACE-Hemmer wie Ramipril, Betablocker wie Meto­pro­lol sowie bei Wassereinlagerungen ein Diuretikum wie Hydrochlorothiazid. Je nachdem, ob sich die Symptome damit ausreichend verbessern und wie die Betroffenen diese Mittel vertragen, können auch andere oder zusätzliche Medikamente zum Einsatz kommen. Zu den Zusatzoptionen zählen nun auch Dapagliflozin und Empagliflozin. In der frühen Nutzenbewertung hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) geprüft, welchen Mehrwert die beiden Wirkstoffe im Vergleich zur Standardtherapie haben. Die Grundlage dafür bildeten Gutachten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

SGLT-2-Hemmer: Wer profitiert?

Auch wenn noch einige Fragen offen sind: Dapagliflozin als Zusatzmedikament scheint die Sterblichkeit bei Menschen mit einer eingeschränkten Pumpfunktion zu senken, wenn die Herzschwäche die körperliche Leistungsfähigkeit noch nicht so stark beeinträchtigt hat. Bei stärkerer Einschränkung der Leistungsfähigkeit rettet Dapagliflozin dagegen vermutlich kein Leben.3 Bei Herzschwäche mit erhaltener Auswurfleistung scheint der zusätzliche Nutzen deutlich geringer.

Auch Begleiterkrankungen scheinen eine Rolle zu spielen: So kam das IQWiG zu dem Schluss, dass Dapagliflozin wohl dann keinen Mehrwert hat, wenn die Betroffenen außer der Herzschwäche auch an einem Typ-2-Diabetes erkrankt sind, aber keine Nierenschwäche haben. Ob der G-BA sich diesem Urteil anschließt, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest.4

Bei Empagliflozin waren die Vorteile weniger eindeutig: So senkt das Medikament vermutlich nicht die Sterblichkeit, kann aber einige Krankenhausaufenthalte verhindern. Das gilt sowohl bei erhaltener5 als auch bei verminderter6 Auswurfleistung.

Weitere Bewertungen

Unabhängige Arzneimittel-Zeitschriften kommen zu ähnlich verhaltenen Schlussfolgerungen: Das arznei-telegramm hält SGLT-2-Hemmer bei Herzschwäche mit verminderter Auswurfleistung für eine Option, um die Behandlung zu intensivieren, wenn die Standardtherapie die Beschwerden nicht ausreichend lindert.

Dabei sprechen die bisherigen Daten eher für Dapagli­flozin als für Empagliflozin.7 Bei erhaltener Auswurfleistung scheinen beide Medikamente nur für wenige Patient:innen einen Mehrwert zu haben.8,9 In diesem Anwendungsgebiet hält Der Arzneimittelbrief die bisherigen Daten für „enttäuschend“.10,11

Und die Verträglichkeit?

In den Studien, die für die Nutzenbewertung bei Herzschwäche ausgewertet wurden, führte die zusätzliche Gabe von Dapagliflozin oder Empagliflozin in der Gesamtschau nicht zu vermehrten schweren Nebenwirkungen, teilweise schien die Zusatzbehandlung die Verträglichkeit sogar etwas zu verbessern. Allerdings wurden die Nebenwirkungen nicht in allen Studien systematisch erfasst.

Weil die SGLT-2-Inhibitoren dazu führen, dass der Körper über den Urin vermehrt Flüssigkeit und Zucker ausscheidet, können als Nebenwirkungen vermehrt Infektionen in den Harnwegen und im Genitalbereich sowie Flüssigkeitsverlust auftreten. Wer eher an Untergewicht leidet, muss wegen des Zuckerverlustes eventuell etwas mehr essen. Bekannt ist auch, dass bei Menschen mit Diabetes die Wirkstoffe seltene, aber gefährliche Stoffwechsel-Entgleisungen (diabetische Ketoazidose) und Gewebeschäden im Genitalbereich (Fournier-Gangrän) begünstigen sowie möglicherweise das Risiko für Amputationen erhöhen. Deshalb ist eine gute Fußpflege wichtig. Derzeit laufen weitere Studien, ob die Wirkstoffe möglicherweise das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen.

Herzschwäche

Dapagliflozin: Aus bei Typ-1-Diabetes

Tabletten bei Typ-1-Diabetes?

PDF-Download

– Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2023 / S.04