Neues Migräne-Mittel Lasmiditan
Besser als ASS, Ibuprofen und Triptane?
Was ist das? Lasmiditan ist ein verschreibungspflichtiges Migräne-Medikament, das in Deutschland seit März 2023 verfügbar ist.1 Zugelassen ist es für die Akutbehandlung von Migräne-Anfällen bei Erwachsenen.
Was ist neu? Lasmiditan reizt wie Migräne-Mittel aus der Gruppe der Triptane bestimmte Rezeptoren für den Nerven-Botenstoff Serotonin. Allerdings verengt es anders als Triptane die Blutgefäße nicht und darf deshalb beispielsweise auch von Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit verwendet werden.2
Was nützt es? Die Zulassungsstudien haben als wichtigsten Aspekt untersucht, bei wie vielen Teilnehmenden die Kopfschmerzen nach zwei Stunden verschwunden waren. In zwei Studien zur Wirksamkeit bei einem einzigen Migräne-Anfall berichteten mit der Standard-Dosis Lasmiditan über einen solchen Behandlungserfolg etwa 28 bis 30 von 100 Behandelten, mit Placebo etwa 15 bis 21 von 100. Andere Migräne-Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit gingen mit Lasmiditan zurück, Übelkeit und Erbrechen dagegen nicht.
Eine weitere Studie testete Lasmiditan bei mehreren Migräne-Anfällen. Dabei berichteten mit Lasmiditan 14 von 100 Betroffenen bei zwei von drei Attacken über einen Behandlungserfolg, mit Placebo waren es 4 von 100. Dass Lasmiditan bei allen erlebten Migräne-Anfällen wirksam war, berichteten nur sehr wenige. Bei etwa 20 Prozent war über einen Zeitraum von sechs Wochen die Behandlung mit Lasmiditan bei keiner Migräne-Episode erfolgreich.
Was sind die Risiken? Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Benommenheit oder Schwindel, die jede fünfte behandelte Person betreffen, Schläfrigkeit und Missempfindungen auf der Haut. Auch Herzrhythmusstörungen können auftreten. Lasmiditan beeinträchtigt außerdem die Verkehrssicherheit über mindestens acht Stunden nach der Einnahme. Ein Missbrauchspotenzial, besonders bei Suchtgeschichte, ist nicht auszuschließen.
Hat es Mehrwert? Die Zulassungsstudien haben Lasmiditan nur mit einem Scheinmedikament verglichen. Vergleichende Daten zur Standardtherapie (Schmerzmittel wie Ibuprofen oder bei unzureichender Wirksamkeit Triptane) fehlen bisher. Das IQWiG kam deshalb zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist.3 Der Zulassungsbericht stuft Triptane als gleichwertig zu Lasmiditan oder sogar überlegen ein.
Was ist offen? Ob Lasmiditan bei Menschen mit bestimmten Herzerkrankungen wirklich ungefährlicher ist als Triptane, ist nicht gut gesichert. Denn Teilnehmende, die aus solchen Gründen Triptane nicht einnehmen durften, waren in den Zulassungsstudien kaum vertreten.
Was kostet es? Lasmiditan ist etwa zehnmal so teuer wie ein günstiges Triptan-Präparat. Normale Schmerzmittel kosten noch weniger als Triptane. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Migräne die Kosten allerdings nur für verschreibungspflichtige Medikamente.
Was ist sonst noch wichtig? Ein Übergebrauch von Lasmiditan kann wie bei anderen Kopfschmerzmitteln paradoxerweise Kopfschmerzen begünstigen.
Stand: 28. August 2023 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 05/2023 / S.08