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Eine ölige Angelegenheit

Eine Öltherapie soll angeblich eine chronische Blutkrankheit und Arthritis geheilt haben sowie Dutzende andere Krankheiten. Dieser Bericht ist schon über dreißig Jahre alt. Jetzt kursieren wieder vermehrt Beiträge zu dieser „Entgiftung“ mit Öl. Ob das mit der befürchteten Knappheit von Sonnenblumenöl wegen des Krieges in der Ukraine zu tun hat? Die abgebildete Website eines kostenlosen österreichischen Apothekenmagazins steht hier stellvertretend für zahlreiche weitere Meldungen ähnlichen Inhalts.

  • Kronzeuge? Ein über 30 Jahre alter Bericht aus der Ukraine als Beleg?
  • Angstmache Der Körper muss nicht extra „entgiftet“ werden. Das ist eine unwissenschaftliche Erfindung.
  • Ayurvedisch? Exotik kommt immer gut. Was zählt sind aber Beweise.

Durch 10- bis 20-minütiges Mundspülen mit Sonnenblumenöl und anschließendem Ausspucken sollen sich „unerwünschte Stoffe“ entfernen lassen. Dass sich „Gifte“ und „Schlacken“ im Körper anhäufen, ist aber weder wissenschaftlich nachweisbar noch plausibel.1 Schon deshalb ist diese „Therapie“ unsinnig. Es ist nicht einmal belegt, dass die Ölbehandlung der Mundhygiene dient.2 Als Kronzeuge wird immer wieder ein Arzt namens Fedor Karach zitiert, der je nach Quelle mal Russe, mal Ukrainer ist. Seine Aussagen soll er 1991 auf einer Konferenz gemacht haben, die auf dem Gebiet der heutigen Ukraine stattgefunden hat. Allerdings lassen sich in der Fachliteratur weder wissenschaftliche Publikationen dieses Arztes finden noch andere Belege für eine krankheitsverhindernde oder gar heilende Wirkung solcher Ölspülungen.2 Lassen Sie das Sonnenblumenöl lieber im Salat, das ist schmackhafter.

  1. GPSP 2/2016, S.10
  2. Kerschner B (2020) Ölziehen: fettreiche Zahnhygiene ohne Wirknachweis. Medizin transparent (Abruf 12.6.2022)

 

Fasten – Heilfasten – Entschlacken – Entgiften

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 04/2022 / S.28